AZ-Test: Saftige Steaks Außen kross, innen rosa

Das Charolais-Filet, beim AZ-Test butterweich medium gegrillt. Die Beilagen, hier Caesar’s Salad und Lady Fries, kommen extra in Mini-Pfannen und Schälchen. Foto: Sigi Müller

Steakhäuser sind der Trend der Stunde. Die AZ nimmt die Lokale unter die Lupe. Heute: The Grill

 

Die vegane Richtung im Künstlerhaus am Lenbachplatz ist längst verschwunden – jetzt trifft sich im Erdgeschoss die Pizza-Connection in der L’Osteria und oben residiert mit Blick über München das Steak-Restaurant The Grill. Für ein Fleisch-Haus ist die Einrichtung verhältnismäßig puristisch und dunkel, aber hochwertig. Wer den Eingang durch das Treiben der italienisch-chaotischen L’Osteria findet, wird ein paar Stufen weiter mit edler Entspanntheit belohnt.

Noch vor dem ersten Gang werden Kompetenz und Aufmerksamkeit seitens der Mitarbeiter von Tom Hilner serviert. Toll ist die Dachterrasse mit dem schönen Blick auf München, auf der kein Ton von der sechsspurigen Sonnenstraße zu hören ist. Die Heizstrahler geben an kühleren Abenden ihr Bestes. Der Griff zur Karte im The Grill zeigt wie in den meisten Steakhäusern: Gespart wird bei anderer Gelegenheit.

Auf Vorspeisen wird lieber mal verzichtet, schließlich sind wir ja zum Steak-Test da. Also wird der Renner, Charolais-Filet (300 Gramm für 28 Euro), bestellt – und das empfohlene „Iowa Longhorn Roast Beef“ (350 g für 35 Euro). Nach 25 Minuten wird aufgetischt. Beilagen werden separat in niedlichen Mini-Pfannen serviert – und leider auch separat berechnet.

Die Pommes (Lady Fries) sind perfekt knusprig und nicht zu fettig, die kleine Gemüse-Beilage schmeckt ungegrillt und ungewürzt, kurzum: ziemlich fad. Vorsicht ist bei den Soßen geboten, denn alle kosten jeweils 3,50 Euro extra. Die argentinische Kräutersoße Chimichurri ist grandios, dagegen kann die geschmacksarme und schwere Béarnaise nur verlieren. Kommen wir aber zum wichtigsten – dem Fleisch.

Das Roast Beef wirkt auf dem großen, weißen Teller geradezu bombastisch. Es hat den typischen Fettrand und ist leicht durchwachsen. Der grasige Geschmack und die Zubereitung überzeugen absolut. Noch besser mundet allerdings das butterzarte Charolais Filet, auf den Punkt medium gegrillt. Außen kross, innen sehr rosa, wunderbar. Da gibt’s nichts zu mäkeln, nur zu schwärmen. Vor allem bei den weiblichen Grill-Gästen kommt es überdurchschnittlich gut an – was wohl auch daran liegt, dass es als „ohne Fett“ beworben wird.

Die große Weinkarte beeindruckt, wir wählen den Sancerre-Weißwein für 33 Euro, der aufmerksam nachgeschenkt wird. Später am Abend ist das Lokal immer noch gut besucht. Sepp Krätz isst hier gerne sein Wagyu – auch die Jeunesse Dorée stärkt sich zwischenzeitlich vom Weggehen am Maximiliansplatz. Der angenehme Grillgeruch bleibt noch lange in der Nase, genauso wie der Gedanke, selten so gesättigt gewesen zu sein. Einen veganen Tag kann man ja morgen einlegen.


Lenbachplatz 8, www.the-grill-munich.de, Tel.: 45 20 59 50

 

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