AZ-Teamcheck FC Bayern München: Die Bilanz der Verteidiger

Spektakuläre Highfligher-Torjubler: Jérôme Boateng (r.) und David Alaba. Foto: imago

Teil zwei des Teamchecks des FC Bayern. Diesmal in der AZ-Analyse: die Abwehr. Boateng wird zur Institution, Lahm zum Fremdgänger.

 

München  - 33 Gegentore in 50 Punktspielen: Es gab durchaus schon schlechtere Jahre für die Defensivabteilung des FC Bayern. Wenn auch die durchaus möglichen Rekordwerte zum Saisonende hin aus nachvollziehbaren Gründen etwas ausfransten. So war das Ende in der Königsdisziplin Champions League gegen den Wundersturm des FC Barcelona mit den Naturereignissen Messi, Neymar und Suarez für die Bayern-Verteidiger wahrscheinlich eine Erfahrung der anderen Art, was deswegen zu der ein oder anderen Nachbesserung Anlass geben könnte.

Ein Abwehr-Überblick:

Abteilung Inneres

Dante: Der Brasilianer hat eine bescheidene Saison mit so manchem Aussetzer hinter sich. Ob das nun an dem 1:7 bei der WM in Brasilien lag oder an was auch immer: So lustig und fröhlich glucksend wie bei seinem Video-Einspieler auf der Rathaus-Triple-Feier 2013 („Und Pokal auch!“) hat man den Lockenkopf lange nicht mehr gesehen. Sein Marktwert bei „transfermarkt.de“ sackte in den vergangenen zwei Jahren von 17 auf 11 Millionen Euro. Vertrag hat er noch bis 2017, aber auch noch eine Zukunft bei den Bayern? Großes Fragezeichen.

Medhi Benatia: Der Mann vom AS Rom kam nicht so gut in die Saison, war oft verletzt, fand nicht so recht den Rhythmus, absolvierte nur 24 Spiele, deutete aber gerade gegen Ende der Spielzeit an, dass er künftig durchaus ein Faktor in der FCB-Defensive sein kann, sowohl in einer Dreier- als auch in einer Viererkette. Sein Plus: eins der ganz wenigen „Kopfball-Ungeheuer“ im Team.

Jérôme Boateng: Seit der WM der unbestrittene Abwehr-Chef. Selten hat ein Turnier einen zuvor durchaus zum Wankelmütigen tendierenden Spieler derart gefestigt. Hat sich auch emotional viel besser im Griff und den klassischen Über-den-Ball-Semmler fast komplett aus dem Programm genommen. Könnte zu einer richtigen Institution da hinten drin werden – als bayerischer Innenminister.

Holger Badstuber: Schwieriger Fall. Hat natürlich unfassbares Pech mit seiner schier endlosen Verletzungsgeschichte. Gibt aber genau deswegen Rätsel auf: Wie kann man einen Muskelbündelriss im Oberschenkel erst nach dem Spiel bemerken? Da bewegt man sich normalerweise keinen Zentimeter mehr. Und warum fliegt Badstuber mit dieser Verletzung zum Knie-Spezialisten nach Vail/Colorado, wo er schon mehrfach wegen diverser Kreuzbandrisse vorstellig geworden war? Sehr merkwürdig alles. Und schwer berechenbar.

Javi Martínez: Ja, den gibt’s auch noch. Der 40-Millionen-Euro-Mann kann ja sowohl Innenverteidigung als auch defensives Mittelfeld spielen. Wo Pep Guardiola ihn sieht? Schwer zu sagen. Martinez hatte ja schon ewig keine Gelegenheit mehr, seine Stärken zu zeigen. Es ist abzuwarten, wie ihm die lange Pause bekommen ist.

Abteilung Äußeres

Rafinha: 40 Spiele hat er in dieser Saison gemacht, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr unter Guardiola – in der Triple-Saison unter Jupp Heynckes waren es dagegen nur 17. Ist seit Philipp Lahms Umzug ins Mittelfeld als rechter Außendarsteller mehr oder weniger gesetzt – es sei denn Guardiola spielt mit Dreier-Kette oder irgendeiner anderen wilden Pep-Formation. Sein Problem: für die Liga langt es locker, doch wenn es in der Königsklasse gegen die Big Boys geht, hat er doch öfter mal das Nachsehen. Und das wird auch nicht mehr besser...

Juan Bernat: Das Gegenmodell zu Rafinha auf der linken Bahn, jedoch mit ähnlicher Problematik. Kam mit einem Marktwert von vier Millionen Euro zu Bayern, steht jetzt schon bei 15 Millionen, Tendenz steigend. Ist mit 48 Saisonspielen einer der Immer-Spieler, zahlte jedoch gerade in der Crunch-Time gegen die ausgebufften Barça-Jungs Lehrgeld. Ist mit 22 aber im lernfähigen Alter.

David Alaba: Fehlte gegen die Turbo-Offensive Barças am schmerzhaftesten. Hat sich in dieser Saison zur absoluten Größe gemausert, nicht nur dank all der sensationellen Freistoßtreffer. Wird wohl nicht mehr lange in der Rubrik Abwehr geführt werden, drängt vielmehr gewaltig – und völlig zurecht – mehr ins Zentrum des Spiels. Wird zudem dringend als Stimmungsaufheller für seinen leidenden Kumpel Franck Ribéry gebraucht.

Philipp Lahm: Gehört eigentlich auch nicht mehr zur Defensive. Es müsste schon ziemlich viel passieren, dass Guardiola den „intelligentesten Spieler, den ich kenne“ wieder an die schnöde Außenlinie schickt. Da lässt er ihn schon lieber als Fremdgänger im Mittelfeld ein paar schicke Durchstecker-Pässe spielen.

 

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