AZ-Stadtspaziergänger Galopprennbahn Riem: Wo die Hufe trommeln

Da spritzt der Dreck: eine Übungsrunde auf der Riemer Galopprennbahn. Das Wetter ist greislig, wie seit drei Wochen. Foto: Sigi Müller

Der Stadtspaziergänger über einen Ex-Jockey, das Rennpferd, das nicht rennen wollte, und Wellness für Galopper.

 

Riem - Die Hufe trommeln dumpf auf dem Sandboden der Bahn. Um die Ecke biegen fünf Pferde mit ihren Jockeys und sausen an mir vorbei.

Nachdem ich meine Fotos gemacht habe, gehe ich mit John Hillis durch das hohe, pitschnasse Gras zurück Richtung Stall. Wir haben Glück, denn für eine kurze Zeit hat der Regen aufgehört. Aber als wir den Stall betreten, prasselt es draußen schon wieder laut auf den Boden und wir sehen die Welt, wie in letzter Zeit gewohnt – mit vertikalen Wasserstreifen.

Ja, es ist Frühsommer 2016 – und die Sonne „scheint“ in Strömen. Ärgerlich, denn die beiden schönen Tage in dieser Woche lag ich mit Männergrippe auf der Couch – und wir wissen, was das heißt: „Leiden – und es endet meist tödlich, wenn nicht schlimmer.“

Tiergewusel im Pferdestall

Ein Pferdekopf schiebt sich aus einer Box. John streichelt das Tier und gibt ihm einen Apfel. Hunde wuseln am Boden herum. Im Aufenthaltsraum liegen drei kleine Kätzchen auf einer Couch. Kater Felix liegt auf seinem Stammplatz, der Kaffeemaschine. Er ist nicht der Vater von den Kätzchen, trotzdem bringt er Ihnen täglich vier bis fünf Mäuse. Hund und Katze fressen aus den gleichen Futternäpfen. Alles wirkt entspannt und gemütlich, wie in einer großen Patchworkfamilie.

Der Ire John Hillis war 27 Jahre lang weltweit erfolgreich als Jockey unterwegs. Pferde sind sein Leben. Seit sieben Jahren betreibt er ebenso erfolgreich einen Rennstall auf dem Gelände der Galopprennbahn in Riem.

Wellness für Pferde wäre die richtige Beschreibung für das, was ich jetzt sehe. Crushed Ice in einer Maschine ist nicht gedacht für den nächsten Longdrink, sondern wird in lange Manschetten gefüllt und kühlt erhitzte Pferdebeine. Gegenüber ein Solarium. Ungleich größer wie eines für Menschen. Das Pferd darin fühlt sich sichtlich wohl.

Der ganze Bereich wirkt wohnzimmerartig. John Hillis meint, dass er hier ein tolles Team hat und alle mit Leidenschaft arbeiten, weil sie lieben, was sie tun.

Um die Ecke in einer Box reinigt Gerlinde, ein weiblicher Jockey aus Hillis’ Team, die Hufe des Pferdes, mit dem sie eben noch über die Sandbahn gedonnert ist.

Viele Geschichten

Später im Büro zeigt mir John Fotos von vielen Rennen, die er weltweit bestritten hat. Viele Geschichten kann er erzählen, von einem spannenden, bunten Leben, von Irland, das Bayern sehr ähnelt, und vielem mehr.

Aber eine Geschichte fand ich besonders nett: Eines Tages bekam Hillis einen Jährling, einen jungen Galopper, zum Trainieren in seinen Stall. Aber alle Bemühungen, mit dem Tier zu arbeiten, blieben leider erfolglos. Das Pferd wollte einfach nicht auf Tempo kommen, auch nach längerem Training blieb es auf der Rennbahn stets weit hinter den anderen Pferden zurück.

Der AZ-Stadtspaziergänger an der Münchener Freiheit: Schee ohne "E“

Des Rätsels Lösung: Beim Transport waren zwei Pferde vertauscht worden und ein Traber und ein Galopper waren jeweils im falschen Stall angekommen. Die Papiere stimmten – nur die dazugehörigen Pferde nicht ...

Es macht viel Spaß, dem Iren zuzuhören. Sein Geschichtenstoff würde sicherlich auch für ein Buch reichen. Neugierig bin ich nun natürlich auch auf die Rennen. Ich werde ganz sicher der Einladung folgen und an einem der nächsten Renntage die Anlage besuchen.

Die Galopprennbahn München Riem wird seit 1897 vom 1865 gegründeten Münchener Rennverein betrieben und bietet sportliche Faszination, kulinarische Erlebnisse und Unterhaltung mit Niveau für die gesamte Familie. Ich bin gespannt und freue mich auf einen spannenden Renntag. Der nächste ist übrigens am Mittwoch.

In diesem Sinne: eine schöne Woche

Ihr Sigi Müller

 

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