AZ-Stadtspaziergänger Elisabethmarkt: Das verlorene Paradies

AZ-Stadtspaziergänger Sigi Müller zeigt den Elisabethmarkt vor dem Umbau. Foto: Sigi Müller

Der Elisabethmarkt ist ein Treffpunkt im Viertel. Bald wird er umgebaut, AZ-Fotograf Sigi Müller hat davor noch einmal vorbeigeschaut.

 

Schwabing - Benannt wurde der Elisabethplatz, sowie auch die auf ihn zuführende die Elisabethstraße, 1898 nach der österreichischen Kaiserin Elisabeth, besser bekannt als Sissi. Der Markt selbst wurde 1903 gegründet. Und – er ist ein Idyll. Noch. Denn er soll ja abgerissen und neu gebaut werden.

Vorbei am Wintergarten, dem legendären Biergarten, tritt man zunächst auf eine große Fläche, stößt in der Mitte auf einen Kinderspielplatz. Alter Baumbestand lässt nur wenig Sonne durch. Lichtflecken der tiefen Herbstsonne wandern über das gefallene Laub.

Kastaniengehäuse poltert auf den Boden, platzt auf und die dunkelbraun leuchtenden Früchte des Herbstes schimmern magisch. Irgendwie steht da immer "nimm mich mit" drauf – und natürlich verschwindet auch eine Kastanie in meiner Hosentasche.

Am Ausgang Richtung Gisela-Gymnasium steht der kleine Bärenbrunnen, mit Sprüchen wie "Raub macht Durst", oder "Alles Leben fließt", "Korn gibt Brot, hilft in der Not". Obenauf ein kleiner Steinbär.

Elisabethmarkt: Hier kennt man sich

Der Markt selbst ist ein kleiner Viktualienmarkt. Obst, Gemüse, Blumen, Fisch, Biofleisch, Milchhäuschen, Kaffeehäuschen. Ein Bummel macht Spaß. Entspannt sind die Händler, die Kunden. Man kennt sich hier am Platz. An einem Café, auf einer Standtafel mit Kreide geschrieben, steht: "Happy Birthday Chris". Geburtstagswünsche auf einer übergroßen Geburtstagskarte. Natürlich auch alles Gute auch von mir.

Am Gebäude der Stadtwerke nebenan riesige bunte, schöne Graffiti. Aus Hygiene- und Brandschutzgründen (aber vor allem, weil die Stadtwerke ihr Grundstück verwerten möchten) wird der Platz wie gesagt bald "umgebaut", das Marktgeschehen während dieser Zeit in die Arcisstraße verlegt. Wenigstens verschwindet das hässliche Umspannwerk daneben.

Schade, irgendwie ist hier alles gewachsen-gemütlich und man mag sich gar nicht vorstellen, ob es dem neuen Markt gelingt, diese Atmosphäre neu zu erschaffen. Aber Schwabing und auch der Elisabethmarkt haben schon Anderes und viel Schlimmeres (wie die Zerstörungen im Krieg) überstanden, und vielleicht wird’s ja doch wieder irgendwie.

In diesem Sinne eine schöne Woche,

Ihr Sigi Müller

 

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