AZ-Spaziergänger Zwischen Kunst und Politik: Ein Rundgang durch die Residenz

Ungewöhnliche Perspektive in der Residenz: Josef Bulva und Kurt Faltlhauser im Zierhof vor dem Cuvilliès-Theater. Foto: Sigi Müller

Der AZ-Spaziergänger ist diese Woche in der Residenz unterwegs - mit Kurt Faltlhauser, der hier einst Hausherr war und dem Pianisten Josef Bulva. 

Altstadt - Sie nennen sich respektvoll Maestro und Herr Professor und sind seit Jahren befreundet: Mein Spaziergang beginnt heute im Hotel Vier Jahreszeiten, wo ich Josef Bulva treffe – laut Steinway und Sons der Pianist unter den Pianisten – , der hier eine Suite bewohnt, und Kurt Faltlhauser, den ehemaligen Bayerischen Staatsminister der Finanzen.

Gemeinsam gehen wir die Maximilianstraße entlang. Unser Ziel ist die Residenz, die wir gemeinsam unter der Führung des ehemaligen Hausherrn Faltlhauser besichtigen. Wir starten in einem kleinen Raum, in dem ein Flügel steht und Josef Bulva erklärt, dass sich hier die Pianisten, vor den Konzerten in der Residenz, vorbereiten und warm spielen. Natürlich bekommen wir ein kleines Privatkonzert.

Dass Josef Bulva überhaupt wieder Konzerte geben kann, ist ein kleines Wunder: Ein Bergunfall zertrümmerte ihm 1971 die linke Hand. Die Diagnose damals war niederschmetternd: Die Hand würde nie wieder zu gebrauchen sein. Sein Konzert-Aus vergleicht der einstige Kinderstar in der Tschechoslowakei selbst mit dem eines Fotografen, der erblindet.

Mit viel Disziplin und Anstrengung schaffte Bulva es nach Jahren zurück auf die Konzertbühnen dieser Welt. Eigen auch, wie er sich in die Stücke hineindenkt und sich diese zu eigen macht. „Wir Interpreten sind zunächst nicht mehr als das Dienstleistungspersonal des Komponisten“ erklärt Bulva, der von sich behauptet, ein aktiver Pessimist zu sein. Das Augenzwinkern dabei ist nicht zu übersehen.

Das nächste Ziel ist die Allerheiligen Hofkirche. Im Februar 2019 spielt Bulva dort ein Konzert.

Wie Faltlhauser die Autos rausschmiss

Politik und Kunst erlebe ich an diesem Tag und ich erfahre eine Menge spannende Geschichten aus beiden Lagern: Faltlhauser erzählt aus seiner Zeit als Finanzminister, wie er die zugeparkte Residenz von Autos befreite, indem er alle Parkgenehmigungen einzog – und in seine eigene Falle geriet, da auch sein Parkplatz damit weg war und der Pförtner ihm sein eigenes Schreiben vorhielt.

Er spricht über die Schwierigkeit, die Allerheiligen Hofkirche wieder aufzubauen, den Kompromiss zwischen Kirche und Staat zu finden, über den Kabinettgarten und den Wiederaufbau des Cuvilliès Theaters, die Gründung des Comitè Cuvilliès, mit dem Ziel, zehn Prozent der Baukosten über Spenden zu finanzieren. Darüber, dass mit dem Überschuss noch der Zierhof mit einem Glasdach versehen werden konnte und zum Comité-Hof umbenannt wurde.

Alles sehr spannende Geschichten, auch nachzulesen in dem kürzlich im Friedrich Pustet Verlag erschienenen Buch „Münchner Kulturbauten, Zerstörung und Wiederbelebung“.

Später sitzen wir noch bei einer Weinschorle zusammen, reden über dies und das, auch darüber, dass man als ehemaliger Minister und als „Stadtspaziergänger“ viel sieht – aber auch vieles nicht versteht, was in der Stadt so vorgeht.

Zum Beispiel, dass nach den längst beendeten Renovierungsarbeiten an der Theatinerkirche noch immer Gerüstteile und Bausachen vor der Kirche liegen und das neue, schöne Bild der Kirche verderben. Unser liebevoller Tipp: „Räumt endlich den Kram weg, das kann so schwer nicht sein.“

Lesen Sie hier: Nach jahrzehntelangem Hin und Her - Fränkische Weinbar in der Residenz eröffnet

 

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