AZ-Serie: Yoga für alle Yoga - "Zu viel Ehrgeiz ist schädlich"

Was kann Yoga erreichen und worauf sollte man achten? Foto: Matthias Balk/dpa

Die Yogalehrerin, Heilpraktikerin für Psychologie und Rechtsanwältin Christina Loy-Birzer arbeitet in München als Yogalehrerin und Psychotherapeutin. Die Expertin erklärt im Interview, worauf Anfänger achten sollten – und was Yoga wirklich bewirken kann.

AZ: Frau Loy-Birzer, Sie haben ein Buch mit dem Titel „Die sanfte Kraft des Yoga – Heilsames Üben für Körper, Geist und Seele“ geschrieben. Warum oder wann ist Yoga eine sanfte Kraft?
Christina Loy-Birzer: Wenn wir eine achtsame und auf die innere Wahrnehmung gerichtete Yogapraxis haben, weil sie uns mit jeder Bewegung und jedem Atemzug eine subtile und feine Veränderung auf allen Ebenen – Körper, Seele und Geist – spüren lässt. Klarheit, Bewusstsein und Ruhe, die so entstehen, sind eine subtile und feine Kraft, die heilsam für Körper, Seele und Geist ist. Wenn wir durch unsere Praxis in diesen inneren Zustand kommen, kann Prana – die Lebensenergie – frei und ohne Blockaden fließen. So entsteht Kraft ohne Anstrengung.

Sind – im Sinne dieser sanften Kraft – Yoga-Stile, bei denen körperlich fordernd geübt wird, kontraproduktiv?
Es ist grundsätzlich nicht kontraproduktiv, fordernd zu üben. Dies kann für den Einzelnen sogar die richtige Übungsform sein. Kontraproduktiv ist der Gedanke, dass durch die Yogapraxis eine bestimmte äußere Form erreicht werden muss oder sollte und diese umso schneller erreicht wird, je fordernder wir üben. Zu viel Ehrgeiz, das Überschreiten der eigenen Grenzen und die Fixierung auf die rein körperliche Praxis ist schädlich, nicht die Übungsform an sich.

Yoga, liest man oft in Zeitschriften und auf Buchtiteln, hilft abzunehmen, einen flachen Bauch und schöne Oberarme zu bekommen, gelassener zu sein und erleuchtet zu werden, sowie natürlich auch besseren Sex zu haben. Kann Yoga wirklich all das, was uns da versprochen wird?
Yoga kann vieles und sicher auch einiges von dem, was uns so plakativ als Weg in ein glücklicheres und schöneres Leben versprochen wird. Yoga als sanfte Kraft lehrt uns aber vor allem, auch friedlicher und zufriedener mit uns selbst und dem, was uns umgibt, zu werden. Aus diesem inneren Frieden heraus entsteht automatisch mehr Freude und Leichtigkeit im Leben.

Wo stößt Yoga an seine Grenzen?
Yoga ist keine Wunderheilung. Bei schweren körperlichen Krankheiten oder auch psychischen Beschwerden, die ärztlich diagnostiziert werden wie beispielsweise schwere Depressionen, akute Psychosen oder schwere Traumata, kann Yoga unterstützen. Es ist aber angezeigt, sich an Fachleute zu wenden. Solche Fälle sollten nicht ohne ärztliche Aufsicht oder Empfehlung begleitet werden. Ob eine Yogapraxis sinnvoll ist, sollte im Einzelfall mit einem Arzt abgeklärt werden.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um mit Yoga beginnen zu können?
Keine. Yoga, individuell angepasst, ist für jeden möglich. Um mit dem indischen Yoga-Lehrer Sri Tirumalai Krishnamacharya zu sprechen: „Solange der Atem fließt, ist Yoga möglich“.

Viele Menschen fangen Yoga mit Videos, Apps oder Online-Studios an. Kann das auf Dauer den Unterricht mit einem Lehrer ersetzen?
Nein, Videos oder Apps ersetzen nicht die Beziehung zu einem Lehrer. Ein guter Yogalehrer wird die Praxis begleiten, korrigieren und individuell anpassen. Dies ist durch Videos nicht möglich.

Was ist Ihnen aus Ihrer ersten Yogastunde am eindrücklichsten in Erinnerung geblieben?
Ich lag in der Schlussentspannung und habe mich gefragt, wie es passiert ist, dass ich mich so unendlich frei und glücklich fühle.

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