AZ-Serie "Von der Straße" Die Watzmannstraße: Ruhige Bergstraße

Die Watzmannstraße in Obergiesing. Foto: GoogleEarth/AZ

Franz Beckenbauer kickte hier, und die Cagey Strings vertrauen dem Schneider in der Watzmannstraße.

München - Hinter der Tegernseer Landstraße wird es bergig: Zugspitzstraße, Alpenstraße, Watzmannstraße. Letztere war im Sommer vor zwei Jahren sehr beliebt bei den Münchnern, weil hier das Zwischennutzungsprojekt Watzart eine Hinterhof-Werkstatt bespielte.

In der Straße spielen aber auch 360 Kinder und Jugendliche beim SpVgg Fußball, nicht dazugezählt die Schulkinder, die den Sportplatz nutzen. Hier hinten, am weitest entfernten Punkt von der Tela, steht auch ein Riegel Gewofag-Häuser mit blauen Fensterläden und Apfelbäumen im Hinterhof. Jugendliche rauchen hinter Büschen und zwei Männer feilschen am Auto um ein sechzehnteiliges Edelstahlkochtopfset. "Ist neu, wirklich." Ach, Giesing!

Zum Viertel gehört aber auch das Lokal mit dem wohl merkwürdigsten Namen Münchens: Attentat Griechischer Salat. Wer draußen sitzt und Megaportionen Salat verdrückt, bemerkt, dass auf der Watzmannstraße zwar nicht viel Verkehr ist – aber wer unterwegs ist, grüßt sich auf dieser ruhigen Bergstraße.


St.-Martin-Straße 35: Beckenbauer im Blick

Manfred Lohmer hat in seinen 40 Vereinsjahren bei der SpVgg 1906 Haidhausen den Zusammenschluss zweier Vereine erlebt, viele Interviews wegen Franz Beckenbauer gegeben – der wuchs in Sichtweite auf und spielte als Knirps Fußball hier – und natürlich so manches Spiel gewonnen und verloren.

Auf dem Vereinsgelände kicken allein 20 Jugendmannschaften und eine Senioren-C-Mannschaft, die in der zweiten Kreisliga spielt. 2019 wird umgebaut, dann sind der Fußballplatz und sein Vereinsheim (Rüscherl: 2 Euro) für ein halbes Jahr geschlossen.

Zugspitzstraße 10/Ecke Watzmannstrasse: Zebra statt Hausfrauenstrip

In der "Schwarzen Katze" haben früher die Hausfrauen gestrippt, jetzt fotografieren sich die Gäste mit einem Zebra. Das Zebra nämlich steht mitten im "Attentat Griechischer Salat".

Wer das ungewöhnliche griechische Lokal nicht kennt, der lacht gewöhnlich bei dem Namen, der aber durchaus irgendwie Sinn ergeben könnte. Denn die griechische Küche ist ja gemeinhin als fettig verschrien – das wird im Attentat mit abgedrehten Salatvariationen anders gemacht.

Die Portionen sind so groß, dass sie ein Attentat auf das Hungergefühl sind und tragen schöne Namen wie "Neue Brust" (13 Euro) oder "Romantisches Wochenende" (11 Euro).

Watzmannstraße 11:Die Rock 'n' Roll-Schneiderei

Leopardenjacken und Elvisbilder und Fotos mit herzlichen Widmungen der Münchner Kultband Cagey Strings: In was für einer Änderungsschneiderei ist man denn hier gelandet?

In der von Horst und Brigitte Ott-Grosz, die seit 23 Jahren in der Watzmannstraße Hosen umnähen und Dirndl weiter machen. Und fast genauso lange die Bühnenoutfits für die Cagey Strings anfertigen – meist mit Tierprints wie Leo oder Zebra. "Früher sind wir für deren Konzerte auch weiter gefahren, haben sie manchmal mehrmals an einem Wochenende gesehen. Mittlerweile sind wir ruhiger geworden", sagt Brigitte Ott-Grosz.

Bereits in dritter Generation ist in dem kleinen Ladengeschäft eine Änderungsschneiderei. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Schneiderei eröffnet – damals noch ganz ohne Rock ‘n’ Roll.

Watzmannstraße 4: Die Watzart-Baustelle

Was war der Sommer 2016 für ein schöner Sommer! Wettermäßig zwar nicht so brennend wie dieser, aber Giesing hatte das Watzart – eine Zwischennutzung in einer ausgedienten Werkstatt mit Holzofenpizza und Livemusik.

Florian Falterer, der das RiffRaff in der Tela und das Crönlein im ehemaligen Toilettenhäusl am Nockherberg ähnlich charmant betreibt, hatte die Abbruchwerkstatt und den Hinterhof in der Watzmannstraße so dermaßen charmant belebt, dass die tollsten Musiker für Jams kamen und es abends meist brezelvoll war. Jetzt staubt es dort, denn wo einst der Hinterhof war, werden 41 Wohnungen mit Tiefgarage gebaut. Arg schad.

Watzmannstraße 2: Die scharfe Inge

Die Inge kennen viele Münchner. Sie ist schlank, goldblond und ziemlich scharf. Seit knapp fünf Jahren wird der Ingwersirup von Sascha Elsperger in der Watzmannstraße produziert und hier in seinem kleinen Ladencafé als Heiße Inge oder Inge Sprizz verkauft.

Aber auch viele Münchner Cafés, Restaurants und Bars verwenden die Inge mittlerweile für ihre Drinks. Immer mehr Münchner kaufen direkt bei Inge-Chef Sascha Elsperger ihre Ingwersirupflasche(n) im Ladengeschäft. Ganz günstig ist das mit 12,90 Euro für 0,7 Liter nicht, aber dafür lassen sich aus der Inge auch 20 bis 25 Getränke zaubern, sagt Elsperger.


AZ-Serie "Von der Straße"

Die Humboldtstraße: Der erste Teil der Serie

Die Schützenstraße: Der zweite Teil der Serie

Die Dachauer Straße: Der dritte Teil der Serie

Die Ubostraße: Der vierte Teil der Serie

Die Georgenstraße: Der fünfte Teil der Serie

Die Wendel-Dietrich-Straße: Der sechste Teil der Serie

Die Balanstraße: Der siebte Teil der Serie

Der Pfanzelt-Platz: Der achte Teil der Serie

Die Plinganserstraße: Der neunte Teil der Serie

Die Landwehrstraße: Der zehnte Teil der Serie

Die Fürstenrieder Straße: Der elfte Teil der Serie

Die Feldmochinger Straße: Der zwölfte Teil der Serie

Die Preysingstraße: Der dreizehnte Teil der Serie

Die Guardinistraße: Der vierzehnte Teil der Serie

Die Feilitzschstraße: Der fünfzehnte Teil der Serie

Die Gleichmannnstraße: Der sechzehnte Teil der Serie

 

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