AZ-Serie: So entwickelt sich Ihr Viertel Isarvorstadt: Wo ganz Junge und ganz Alte (beinahe) außen vor sind

Hier wohnt man einfach gut: der Gärtnerplatz. Foto: Martha Schlüter

Schon heute halten sich viele Gutverdiener im Gärtnerplatzviertel eine Zweitwohnung. Dieser Trend wird anhalten, das sagt die Stadt voraus.

 

Isarvorstadt – Alexander Miklosy liebt das Leben in der Isarvorstadt: Ärzte, Supermärkte, Restaurants – alles in der Nähe. „Ich kann die Leute nicht verstehen, die im Alter raus an den Stadtrand ziehen“, sagt der Chef des örtlichen Bezirksausschusses (BA). Nach Obermenzing oder Neuaubing umziehen? Das käme für den 66-Jährigen nicht in Frage.

Natürlich ist Miklosy bei Weitem nicht der einzige, der die Vorzüge des Wohnens in Innenstadt-Nähe erkannt hat. Das Glockenbachviertel, das Gärtnerplatzviertel: Das sind Stadtquartiere, die auch international längst für ihre Lebensqualität bekannt sind – mit entsprechenden Konsequenzen für die Bevölkerungsstruktur.

Der neue Demografie-Bericht der Stadt bestätigt nun auch offiziell noch einmal, was man eigentlich ohnehin längst wusste: Für Familien und Senioren ist Münchens zweiter Stadtbezirk, die Isarvorstadt-Ludwigsvorstadt, mittlerweile so gut wie unbezahlbar. Ganz Junge und richtig Alte sind hier eher selten. Dominiert wird das Viertel von den sogenannten Mid-Agern, 35- bis 44-Jährigen, die lukrative Jobs haben und einen ungebundenen Lebensstil pflegen.

Investmentbanker, Fußballprofis, Unternehmensberater – so setzt sich zumindest an den schickeren Ecken die Nachbarschaft zusammen. Viele nutzen ihr Domizil dabei nur als Zweitwohnung. „Abends bleibt es hinter viele Fenstern dunkel“, berichtet Lokalpolitiker Miklosy.

Dieser Trend wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken. Wenn Alteingesessene wegsterben oder junge Familien in ein grüneres Viertel umziehen, rücken zumeist Gutverdiener nach, die wegen des Jobs nach München kommen. Oft sind es dabei Leute, die es zum ersten Mal nach München verschlägt. Umzüge innerhalb der Stadt Richtung Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt sind den Statistiken der Stadt zufolge eher selten.

Um das soziale Gleichgewicht zu halten, drängt der Bezirksausschuss deshalb darauf, auch für die Ärmeren im Viertel etwas zu tun. Zwei größere Neubaumaßnahmen stehen in den kommenden Jahren an: auf dem ehemaligen Rodenstockgelände sollen 300 Wohnungen entstehen, auf dem Viehhof-Gelände 750. „Da wäre sozialer Wohnungsbau sehr wichtig“, sagt BA-Chef Miklosy.

Das sagen die Prognosen

Kennzahlen 2013 2030 Differenz
Wohnberechtigte  51 921 55 659 +7,2%
Durchschnittsalter 39,0 38,9 - 0,2
Jugendquotient 15,5 15,7 + 0,3
Altenquotient 14,5 12,5 -2,0
Ausländeranteil in % 27,8 26,8 -1,0
 

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