AZ-Serie Neu in der Stadt: "Wir lieben das entschleunigte Leben in Landshut"

Für Tina (links) und Madlen Winterer ist Landshut der Ort, an dem sie sich angekommen fühlen. Foto: Christine Vinçon

Eine AZ-Serie über die Neuankömmlinge in Landshut: Tina und Madlen Winterer hat 2017 die Arbeit hergeführt.

 

Landshut - Wenn mir vor 20 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich einmal in Niederbayern lebe, hätte ich das nicht geglaubt", sagt die Exilberlinerin Madlen Winterer (37). Nach gut einem halben Jahr in Landshut können es sich weder sie, noch ihre Frau Tina (29) vorstellen, woanders zu leben.

Vom Münchner Großstadtdschungel hat es die beiden ins ruhigere Landshut verschlagen. Genauer gesagt nach Kumhausen. Das ländlichere Leben kennt Tina Winterer nur allzu gut. Sie kommt aus Julbach bei Simbach am Inn. Zehn Jahre lang lebte sie in München, machte am Flughafen eine Ausbildung zur Servicekauffrau im Luftverkehr. Danach studierte sie Forstingenieurswesen in Freising. Sie machte sich selbstständig als Waldpädagogin und bietet nun Führungen für Schulklassen an (Infos unter: www.waldlaeufer-waldpaedagogik.de).

Als zweites Standbein arbeitet sie immer noch am Flughafen als Ramp Agent. "Ich organisiere, dass alles zur richtigen Zeit da ist, was das Flugzeug braucht, und richtig eingeladen wird", erklärt sie. Beide Berufe lassen sich gut kombinieren, da sie am Flughafen nach Schichtplan arbeite.

Madlen Winterer lebte 15 Jahre lang in Berlin, bevor sie nach München kam. Dort arbeitete sie als Medizinproduktberaterin für einen Hersteller von Schlafmasken. Sie bewarb sich erfolgreich in der Landshuter Filiale und pendelte die erste Zeit. Tina Winterer: "Ich war dann mit dem Studium fertig. Ob ich von München oder von Landshut aus zum Flughafen fahre, machte zeitlich keinen großen Unterschied. Wir wollten uns mal umgucken, was es in und um Landshut an Wohnungen gibt."

Seit Dezember 2017 sind die beiden in Kumhausen

Seit Dezember 2017 wohnt das Paar in Kumhausen. Die Wohnung zu finden war gar nicht so schwer. "Über Ebay Kleinanzeigen haben wir ein Gesuch aufgegeben mit einem Foto von uns und einem persönlichen Text", erzählt Tina Winterer. Es haben sich mehrere Vermieter gemeldet, die Entscheidung ist schnell gefallen. "Wir wollten raus aus der Stadt und etwas ländlicher leben. Ich selbst komme ja vom Dorf."

"Aber ganz kaffig sollte es auch nicht sein", fügt Madlen Winterer hinzu. Da die beiden nur ein Auto haben, das Tina Winterer benötigt, um zum Flughafen zu kommen, musste die Busverbindung in die Stadt gut sein. "Kumhausen ist perfekt, denn mit dem Stadtbus ist man schnell in der Stadt und gleichzeitig hat man Ruhe." In der ersten Nacht in der neuen Wohnung sagte die eine zur anderen: "Hörst du das? - Nichts." Kein Vergleich zu München: Dort haben sie direkt neben dem Mittleren Ring gewohnt.

Was die beiden an Landshut schätzen: die hohe Lebensqualität sowie den Zeit- und Kostenfaktor. "Wir können uns hier eine größere Wohnung leisten, in der wir uns mehr entfalten können. Und wir haben einfach mehr Geld zum Leben." Ihnen gefällt das entschleunigte Leben an Landshut. "In Berlin werde ich mittlerweile nach einer Woche wahnsinnig", sagt die Exilberlinerin, die gut mit den Niederbayern harmoniert. "Nur wenn richtig Mundart gesprochen wird, verstehe ich noch nicht alles."

Und Tina Winterer kann sich in Landshut als Selbstständige leichter vernetzen. "Man kommt mit den Leuten einfacher ins Gespräch."

Wenn die beiden Besuch von Familie oder Freunden bekommen, zeigen sie gerne ihre Wahlheimat: "Wir gehen spazieren im Hofgarten, das ist unser Lieblingsort. Und die Burg ist Pflichtprogramm. Von dort aus hat man einen schönen Blick auf die Stadt. Viele denken, Landshut ist eine kleine Stadt. Aber das ist gar nicht so. Das überrascht viele."

Nur ein neuer Lieblingsitaliener fehlt ihnen noch

Fragt man das Paar, was ihm an Landshut fehlt: Schweigen. Sie haben hier alles, was sie brauchen, verbunden mit dem Gefühl, angekommen zu sein. "Wir wollen hier nicht mehr weg", sagen die beiden Frauen. Nur einen neuen Lieblingsitaliener müssen sie noch finden.

In München hatten die beiden eine Terrasse ins Grüne samt Eichhörnchen. In Kumhausen haben sie einen kleinen Balkon und dürfen den Garten mitbenutzen. Dort steht ihr Freigehege für ihre beiden noch kleinen Schildkröten. Doch das sind nicht ihre einzigen Haustiere. Ihnen ist ein Kanarienvogel zugeflogen. Sie haben versucht, den Besitzer ausfindig zu machen - vergeblich. Also entschieden sie sich, ihn zu behalten und besorgten noch einen Artgenossen. Vor Kurzem ist Nachwuchs geschlüpft.

Weil Tina Winterer Hunde liebt, aber keine Zeit für einen eigenen hat, betreiben die beiden seit Kurzem Dogsharing mit einer älteren Dame. Wenn sie Zeit haben, gehen sie mit dem Golden Retriever Gassi, spielen mit ihm, sogar über Nacht durfte er schon bleiben.

"Das ist eine gute Möglichkeit, sich mit seinem Umfeld zu verbinden", sagt Tina Winterer. "Wir sind schon gut in der Nachbarschaft integriert. München ist da einfach viel anonymer. In Landshut herrscht eine gute Willkommenskultur. Hier leben Zugereiste und Niederbayern zusammen. Wie wir."

 

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