AZ-Serie "München nicht wie geplant" Teil 2: Ein Albtraum - Autobahn-Drehkreuz statt Stadtleben

Ein Ausschnitt aus dem Generalverkehrsplan von 1963. Die geplanten Schnellstraßen sind gelb eingefärbt. Foto: Klühspies

Wie Planer München zu einem Motor-Mekka machen wollten - und woran diese gruselige Vision scheiterte.

 

München - Mächtige Schneisen, bis zu vierzig Meter breit, teils mit sechs Fahrspuren, teils mit acht – und das in der Barer Straße, der Pestalozzistraße, der Isarparallele Widenmayerstraße, am Rand des Englischen Gartens, durchs Klinikquartier in der Innenstadt und mitten durchs ehemalige Haidhauser Herbergsviertel.

Wäre der Generalverkehrsplan von 1963 Wirklichkeit geworden, wäre München heute ein Kraftfahrzeug-Karussell mit etwas erstickender Stadt drumherum.

Eine Autobahn bis zum Sendlinger Tor

Der Plan lässt heute gruseln. Ziel war es, München "autogerecht zu erschließen" – nach dem Vorbild US-amerikanischer Großstädte. Freie Fahrt statt Freiraum für die Menschen: So sollten zum Beispiel am Altstadtring alle Autobahnen und Bundesstraßen der Umgebung zusammenkommen. Das Sendlinger Tor wäre dann der Endpunkt der Lindauer Autobahn gewesen, die Nürnberger Autobahn wäre am Gärtnerplatz vorbeigerauscht.

Um alle Hauptstraßen auf 40 Meter Breite auszubauen, hätte man jeweils eine angrenzende Häuserzeile abreißen müssen– mindestens. Karl Klühspies sagt dazu: "Die zwischen den überwiegend kreuzungsfreien Stadtschnellstraßen noch übrig bleibenden Zwickel sollten langfristig abgerissen und höher bebaut werden. Die Stadtviertel wären, wie heute im Lehel, zerschnitten worden und ohne Bezug zueinander. Ein lebendiges Stadtleben wäre kaum mehr möglich gewesen."

Das bedrohliche Ausmaß dieser Pläne kommt erst in den Jahren nach 1963 langsam auf – und es dauert Jahrzehnte, bis die letzten Vorhaben daraus aufgegeben werden.

"Wir würden die Stadt nicht mehr wiedererkennen"

Dass sie überhaupt aufgegeben werden, liegt am bis dahin nicht gekannten massiven Widerstand von Bürgern und Lokalmedien. Vor allem in den einzelnen Vierteln wehren sich die Menschen engagiert in Bürgerinitiativen gegen die Ausbauvorhaben.

Die Forderung, statt größere Straßen zu bauen, lieber in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren, werden ebenso lauter. Zum Glück, denn: "Wir hätten ansonsten heute ein anderes München", sagt Klühspies. "Wir würden die Stadt nicht mehr wiedererkennen."

Und das sicher nicht, weil die Highway-City München so schön wäre.

Hier finden Sie alle bisher erschienenen Teile der AZ-Serie "München nicht wie geplant"

 

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