AZ-Serie: München 2030 Sendling-Westpark: Mehr Grün – und 10 000 Zuzügler

So soll der neue „Heckenstaller-Park“ mal aussehen - das neue grüne Areal östlich des Ring-Trogs, den eine Lärmschutzwand abschirmt. Foto: Baureferat

Am 25. Juli wird der neue Ringtunnel in Münchens siebtem Stadtbezirk eröffnet. Dann wird es leiser. Aber auch voller – und teurer.

 

Sendling - So richtig ausmalen kann man sich das noch nicht: Noch gut vier Wochen, dann verschwinden mehr als 100 000 Autos täglich von der Oberfläche, vom Westpark bis runter zur Kreuzung Passauerstraße. Danach kommt Wiese auf den Luise-Kiesselbach-Platz und auf dem Ring-Ungetüm Heckenstallerstraße entsteht ein riesiger, grüner „Heckenstaller-Park“.

Allein der Gedanke daran macht Günter Keller lächeln. Versteht man gut. Acht Jahre Baustellendreck, Staub, ständig verschobene Fahrbahnen und unendliche Staukolonnen hat der örtliche Bezirksausschuss-Chef (der seit 38 Jahren im Viertel wohnt) mit den Bürgern in Sendling-Westpark ertragen. All die Jahre davor, in denen der Mittlere Ring schon ihren Lebensraum zerhackt hat, noch nicht mitgerechnet.

Mit dem 25. Juli wird alles anders. Wenn an dem Samstag der Ringtunnel Südwest in Betrieb geht, werden täglich nur noch 12 000 Autos oberirdisch auf der Garmischer Straße gen Süden fahren. Nochmal 22 000 kreuzen am Luise-Kiesselbach-Platz.

Für Hunderte Anwohner, die nur wenige Meter neben der Straße wohnen – eine Befreiung. Und für das Viertel eine Aufwertung, die 10 000 neue Zuzügler herlocken wird.

56 275 Menschen leben jetzt in Sendling-Westpark. In fünf Jahren werden es 64 000 sein, im Jahr 2030 sogar 66 000 (also plus 17,3 Prozent), so prognostiziert es der Demografie-Bericht der Stadt. „Überdurchschnittlich viel“ sei das, gemessen am Wachstum in ganz München.

Wo werden diese Menschen alle wohnen? Und vor allem: Wie teuer wird das Viertel werden – zumal da, wo aus Wohnungen am Ring plötzlich Wohnungen im Grünen werden?

Fakt ist: Längst wird gebaut, wo sich Lücken auftun. 2200 neue Wohnungen sollen bis 2030 entstehen. Am Ring-Teilstück zwischen Mainburg- und Friedrich-Hebbelstraße etwa, wo die Röhre sich öffnet, aber in einem Trog mit Lärmschutzwand verläuft. „Die Bürogebäude standen fünf Jahre leer“, sagt Keller, „da kommen jetzt 284 Neubauwohnungen hin.“

400 weitere pflanzten Investoren „Am Westpark“, genauso viele an den Bauernbräuweg, beim S-Bahnhalt Mittersendling. „Wahnsinnig erschwinglich werden die vermutlich nicht werden“, meint der Stadtteilpolitiker. Ein Glück fürs Viertel, dass viele Wohnungen entlang der neuen Grünflächen der Stadt gehören, die ihre Mieter schützen kann. Und dass es die städtische Wohnungsgesellschaft GWG ist, die zwischen Krüner- und Hinterbärenbadstraße (wo kürzlich noch steinalte Häusl standen), sozialgerechte Wohnungen baut.

Die kleinen Einfamilienhäuschen an der Heckenstallerstraße sind größtenteils von ihren Eigentümern bewohnt – die profitieren von der Aufwertung. „Die nächste Erbengeneration fängt schon an abzureißen und riesige Wohnkästen in die Grundstücke zu bauen“, beobachtet Keller – wie in der alten Siedlung um die Säulingstraße oder am Pfrontener Platz. „Für die nächsten Bewohner? Wird’s teuer.“ 

 

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