AZ-Serie "Mehr Platz für München" Walter-Sedlmayr-Platz: Huschen über Pflasterstein-Ödnis

Unbenutzte Bänke, ein paar Bäume und im Sommer gemütlich wie eine Bratpfanne: der Walter-Sedlmayr-Platz vergangene Woche. Foto: Bernd Wackerbauer

Der Bezirkausschuss selbst möchte den Walter-Sedlmayr-Platz in Feldmoching unbedingt verschönern - das verhindern aber rechtliche Gründe.

 

München - Wundpflasterfarben sind die schlichten Häuser - wenn man sehr gnädig ist bei der Beschreibung des Farbtons. Der Walter-Sedlmayr-Platz selbst, den sie umstehen: groß, trist, mit ein paar spärlichen Bäumen an einer Seite. Die Stirnseite zum S- und U-Bahnhof Feldmoching verziert ein Objekt, das selbst für einen Grabstein zu trostlos wäre: ein meterlanges Gebilde aus schachbrettartig angeordneten Marmorblöcken. Davor und dahinter zwei große Steinplatten.

"Und das ist das Zentrum des Lebens in Feldmoching", sagt Silvia Gonzalez, die Leiterin des Bereichs Stadtgestaltung beim Verein Green City, und schaut ernüchtert über die Pflastersteinödnis.

Sommers wie winters huschen die Menschen meist nur über die kahle Fläche, um woanders hin zu gelangen. "Zum Verweilen lädt der Platz wirklich nicht ein", sagt Gonzalez, "auf den Bänken habe ich noch nie jemanden sitzen sehen."

Im Sommer war Green City hier mit der Wanderbaum-Allee

Nun ist es nicht so, dass der Stadtteil es sich nicht anders wünscht : Freitags findet hier ein Wochenmarkt statt, um den Platz zu beleben und die Anwohner zusammenzubringen.

Im Sommer ist der Bezirksausschuss außerdem auf Green City zugekommen und hat den Verein gebeten, mit seiner Wanderbaum-Allee vorbeizuschauen: Sieben Wochen lang haben Silvia Gonzalez und ihr Team junge, grüne Bäume in Pflanztöpfen auf dem Platz "geparkt", die Pächter der umliegenden Geschäfte waren Gießpaten. "Kurz nachdem wir die Bäume hergebracht hatten, baute eine Wacholderdrossel in einem ein Nest und legte Eier", erzählt Gonzalez. "Das war so schön - aber gibt einem auch zu denken, dass die Vögel offenbar so verzweifelt Raum suchen, dass sie in einen unserer kleinen Bäume ziehen."

Allerdings hat der Gestalter eines solchen Platzes die alleinigen Gestaltungsrechte - für 50 Jahre. Eventuelle Änderungen muss er genehmigen - "und wir versuchen seit vielen, vielen Jahren, dass da etwas möglich ist", sagt Rainer Großmann, zweiter stellvertretender Vorsitzender des Bezirksausschusses.

"Hätten wir entscheiden können, hätte es diese Mauer zum Beispiel nie gegeben. Das sollte eigentlich eine Art Amphitheater werden." Dann habe der Künstler das Element aber umgestaltet. "Inzwischen ist der Künstler gestorben, aber auch seine Nachfahren geben den Platz nicht frei."

Hep Monatzeder, damals Dritter Bürgermeister der Stadt, habe den Platz bei dessen Einweihung sehr gelobt. Es gebe aber seitdem Beschwerden von Bürgern, sagt Großmann, immer noch, immer wieder. "Der Platz ist öd, es gibt hier kein Grün, so kann das nicht bleiben."

Auch die Wanderbaumallee von Green City im Sommer habe daran nicht allzu viel geändert : "Die war nicht so der Hit, die Bäume waren in viel zu kleinen Töpfen, man konnte sie nicht gescheit gießen. Wir hätten gern wieder Bäume, aber wenn, dann bessere."

Der BA hoffe nun auf den Effekt des neuen Gebäudes am Platz: Ein neuer Supermarkt-Bau schließt die bisher offene Flanke. "Die Stadt hat immer darauf verwiesen, dass der Platz noch nicht fertig ist", sagt Großmann. "Jetzt ist er es und alle Ausreden sind hinfällig."

Als Green City am Platz Bäume aufstellte, zog gleich eine Vogelfamilie ein.
Als Green City am Platz Bäume aufstellte, zog gleich eine Vogelfamilie ein. Foto: K. Schwabenbauer/Green City

Baulich und gestalterisch ist am Platz selbst wegen der rechtlichen Lage aber eben nichts zu machen. Darum hat sich Green City etwas Anderes einfallen lassen: Die Fassaden der Häuser gehören nämlich nicht zum Platz. "Wir haben dem Besitzer, der GBW-Gruppe, eine Fassadenbegrünung vorgeschlagen", sagt Silvia Gozalez.

Die wäre nicht nur eine ästhetische Aufwertung, sondern auch eine sinnvolle Maßnahme für das Mikroklima: "Im Sommer ist der Sedlmayr-Platz eine Bratpfanne, an drei Seiten ist er durch die Häuser geschlossen und es geht kein Wind."

Gäbe es eine Pflanzenfläche, würde die die Luftfeuchtigkeit und den Sauerstoffgehalt erhöhen, die glatte Licht und Wärme reflektierende Oberfläche der Wände durchbrechen und zumindest einige Kleintiere anziehen, die ihrerseits das Mikroklima verändern.

"Schönheit ist subjektiv - aber dieser Platz ist nicht einladend"

"Natürlich muss man wissen, welche Art Pflanzen die Fassaden vertragen und was da am besten ist", sagt Gonzalez, "aber dafür sind wir ja als Berater da." Stand jetzt prüft die GBW den Vorschlag intern.

"Die Sommer werden heißer, die Hitzewellen in der Stadt stärker", sagt Gonzalez, "und wir müssen aktiv dafür sorgen, die Luft vor allem in den Großstädten herunterzukühlen."

Außerdem gehe es bei der Gestaltung von Plätzen auch um die Nutzung von öffentlichem Raum, der immer knapper wird. "Schönheit ist natürlich subjektiv, aber dieser Platz ist einfach nicht einladend und regt nicht dazu an, die Nachbarschaftlichkeit zu pflegen."

Aber wenn nun der Platz strahlend schön und urgemütlich würde , sodass die Menschen sich dort Tag und Nacht in großer Fröhlichkeit träfen - würde das nicht die Anwohner um ihre Ruhe bringen, ähnlich wie die vom Gärtnerplatz? "München wächst immer weiter und wir kommen uns so oder so in die Quere", sagt Gonzalez. "Die Lösung ist ja nicht, dass alle Zuhause bleiben. Und die Dynamik auf Plätzen kann man ja lenken." Wenn nicht alle Menschen nur darüberhuschen.

Silvia Gonzalez und Judith Fahrentholz vom Verein Green City.
Silvia Gonzalez (l.) und Judith Fahrentholz vom Verein Green City. Foto: K. Schwabenbauer/Green City

 

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