AZ-Serie "Mehr Platz für München" Vorschlag für den Isartorplatz: Historisch, grün, modern

Das Isartor aus dem 14. Jahrhundert: Nach vielen Umbauten könnte es wieder eine angemessene Umgebung bekommen – statt bloß Verkehrsinsel zu sein. Foto: Formstadt/AZ

Für das Isartor und den kaum noch vorhanden Platz davor gibt es einen Vorschlag: grün mit Stadtbachgraben, historisch bewusst und modern zugleich.

 

Zwei Mal schon sollte das Isartor laut Stadtratsbeschluss abgerissen werden. Zwei Mal haben es die Wittelsbacher gerettet: König Ludwig I. bezahlte in seiner Mittelalterromantik aus seiner Privatschatulle Restaurierung und Umbau. Das zweite Mal rettete sein Enkel und eigentlich Münchenfeind, Ludwig II., das Tor.

Der dritte Zerstörungsversuch geschah in den 60ern und 70ern, als man das "einzig vollständig erhaltene Münchner Stadttor zur verkehrsumfluteten Insel ohne Vorplatz degradierte", wie es Architekt Markus Uhrig formuliert. Auch der halbherzige Rückbau des Tals hat daran nichts geändert.

Diesen Mittwoch wird der Stadtrat sich auch mit den Verschmälerungsmöglichkeiten des Thomas-Wimmer-Rings beschäftigen, unter dem gerade 520 Tiefgaragen-Stellplätze entstehen. Das wird auch Auswirkungen auf den direkt anschließenden Isartorplatz haben. Ein Grund mehr, sich den historisch versierten, gestalterisch modernen Entwurf von Markus Uhrig noch einmal genauer anzuschauen.

Der neue Isartorplatz - mit Stadtgraben und Brücke?

Die Grundidee: vor dem Tor einen begrünten Stadtgraben wieder herstellen, dort auch einen Stadtbach wiederbeleben und mit einer Brücke zum Tor wieder den Zugang zur Altstadt schaffen. "Das Isartor bekäme so seine Würde wieder, wäre wieder Tor statt Verkehrsinsel und die neue Fußgängerbrücke würde das Tor wieder zum Tor machen." Mit der Aufschüttung des Stadtgrabens im 19. Jahrhundert ist auch die mittelalterliche, mehrbögige Brücke abgerissen worden. Jetzt plant Uhrig eine moderne Brücke, die allerdings die Bögen als Stilelement wieder aufgreift. "Und von der vier Meter tieferen Stadtgrabenebene kommt man ebenerdig ins S-Bahn-Sperrengeschoss", sagt Uhrig. "Und was ich den Stadtplanern noch rate: Einen eigenen Zugang zu der entstehenden Tiefgarage müsste man auch von der Sperrengeschossebene schaffen."

Querschnitt des Projekts mit Brücke und Stadtgrabenbach mit Wasserfall. Um vier Meter könnte das Niveau vor dem Isartor abgesenkt werden.
Querschnitt des Projekts mit Brücke und Stadtgrabenbach mit Wasserfall. Um vier Meter könnte das Niveau vor dem Isartor abgesenkt werden. Visualisierungen: Formstadt


Der Entwurf aus der Vogelperspektive.

Bleibt die in München immer aggressiv geführte Frage: Ändert sich etwas für den Autoverkehr? Uhrig erklärt: "Meine Idee, wieder einen Platz vor dem Isartor zu schaffen, nimmt dem Altstadtring keine einzige Spur, er ist nur knapp 30 Meter leicht verschwenkt." Außerdem werde ohnehin gerade ein leichter Rückbau vom Stadtrat diskutiert, meint Uhrig.

Sein Entwurf sei "Heilung statt künstlicher Rehistorisierung", sagt er. Aber eben eine Kombination aus "Geschichtsbewusstsein und Modernität – also so wie München sich ja selbst gerne so sieht", so der Architekt.


Infos zum Entwurf von Markus Uhrig: isartor-neugestaltung-muenchen.com; kostenlose Führungen zum Thema Isartor von Markus Uhrig: Freitag, 2./9. März, 17 Uhr, Treffpunkt: Brunnen am Isartorplatz, Anmeldung hier

 

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