AZ-Serie: Ihr Viertel 2040 Der 25. Stadtbezirk: Laim wächst – aber nur langsam

, aktualisiert am 10.09.2019 - 13:24 Uhr
Die Zschokkestraße 36 in Laim wird derzeit von Künstlern zwischengenutzt. Bis 2025 soll auf dem Gelände des ehemaligen Straßenbahnbetriebshofs ein neues Quartier entstehen. Foto: Daniel von Loeper

Bis 2040 werden in Laim noch etwa 2.000 Wohnungen neu gebaut. Bauarbeiten am S-Bahnhof führen zu Streit im Viertel. Die AZ nimmt den 25. Stadtbezirk unter die Lupe.

 

München - Laim, schon 1045 erstmals urkundlich als "Leima" ("lehmiger Ort") erwähnt, wurde am 1. Januar 1900 nach München eingemeindet. Mit der Eingemeindung und der Eröffnung des Eisenbahnvorortverkehrs im Jahr 1894 begann Laim zu wachsen. Heute leben 57.300 Einwohner in Münchens 25. Stadtbezirk.

Neue Wohnungen - aber wenig Zuwachs

Mit dem Wachstum ist bald Schluss: Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) geht bis 2040 nur noch von einem Zuwachs um 7,6 Prozent auf 61.700 Einwohner aus. Zum Vergleich: Ganz München wächst weitaus stärker – um 18,8 Prozent.

Das Planungsreferat erwartet den größten Anteil an Zuzügen bis Mitte der 2020er Jahre. Das liegt an den absehbaren Neubauten.

So sollen bis dahin noch etwa 1.950 Wohnungen entstehen – vor allem an der Zschokke- und Wilhelm-Riehl-Straße sowie durch Nachverdichtungsmaßnahmen in der Siedlung "Alte Heimat" am Kiem-Pauli-Weg.

Zuzugs-Prognose: Vor allem jüngere Leute

Elisabeth Merk geht davon aus, dass durch den Neubau von Wohnungen vor allem jüngere Leute nach Laim ziehen.

Deshalb wird auch die Geburtenzahl künftig leicht ansteigen, ehe sie 2025 wieder allmählich zu sinken beginnt, vermutet die Stadtbaurätin. Langfristig soll sich die Geburtenzahl bei rund 600 pro Jahr einpendeln, so die Prognosen. Die Sterbefallzahl bleibt langfristig unter 500 Fällen pro Jahr. Insgesamt wird der Bezirk bis 2040 noch internationaler. Da ein großer Teil der Zuwanderung nach Laim aus dem Ausland erfolgt, rechnet das Planungsreferat mit einem Anstieg des Ausländeranteils von 27,5 auf 38,7 Prozent.

Drei Jahre ohne Aufzug? Streit um Bahnhof-Umbau

Der Stadtbezirk ist durch die S-Bahn, U-Bahn und die Tram 19 gut an die Stadt und das Umland angebunden, die neue Tram-Westtangente ist in Planung. Doch mit dem Bau der Zweiten S-Bahn-Stammstrecke wird es am Bahnhof Laim, der dann ebenfalls umgebaut wird, bald erhebliche Einschränkungen geben.

Dies trifft vor allem Menschen mit Behinderung hart. Denn der einzige Aufzug, an der Ostseite des Bahnhofes, wird im September 2020 abgerissen, bestätigt ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Dass für die dreijährige Umbauphase noch keine Alternative für den wegfallenden Aufzug geplant sei, habe im Bezirksausschuss (BA) Laim jüngst vermehrt zu Aufregung geführt, teilt Alexandra Gaßmann, CSU-Stadträtin und Vorsitzende des BA-Unterausschusses für Soziales und Senioren, der AZ mit.

Münchens Behindertenbeauftragter fordert Alternativen

Münchens ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter Oswald Utz (Grüne) sieht die Bahn, aber auch die Stadt in der Verantwortung, Alternativen zu schaffen. "Dass Menschen, die schon mobilitätseingeschränkt sind, eine Station eher oder später ein- und aussteigen können, geht so nicht", sagt er.

Er fordert Lösungen, zum Beispiel eine neue Busverbindung oder einen gratis Taxi-Service für Mobilitätseingeschränkte. Die Bahn suche derzeit nach Lösungen, mit denen zumindest ein Gleis barrierefrei zugänglich bleiben könnte. Eine Umplanung sei in Arbeit, versicherte ein Bahn-Sprecher der AZ.


Die AZ-Umfrage: Wie gefällt Ihnen die Entwicklung im Stadtbezirk?

Obstverkäufer Fares Al-Hamidi (51): "Ich wohne und arbeite in Laim. Es ist ein gutes Viertel mit sympathischen Menschen und es hat eine gute S-Bahn-Verbindung. Wünschen würde ich mir, dass der S-Bahn-Bereich schöner gestaltet wird. Außerdem gibt es nur eine öffentliche Toilette für alle – gegen Bezahlung. Da sollte man etwas tun."

Rentnerin Erika Meinel (76): "Ich lebe in Laim – und da gefällt es mir. Ich mag die vielen Grünanlagen. Außerdem gibt es viele Spielplätze und ein tolles Kulturprogramm. Wünschen würde ich mir mehr Sauberkeit an der S-Bahn und den Bushaltestellen. Aus meiner Sicht dürfte es außerdem gerne noch paar schöne Cafés mit gutem Kuchen geben."


Stadtbezirk in Zahlen: Laim (Stand 2019)

Fläche: 530 Hektar
davon Gebäude (und zugehörige Freiflächen): 355 Hektar
davon Erholungsflächen: 26 Hektar

Einwohner: rund 57.300
Ausländer: etwa 16.000
Arbeitslose: rund 1.150
Pkw: etwa 21.800

Praxis-Ärzte: 106
Einwohner je Arzt: 533
Apotheken: 17
Schulen: 10
Kitas: 38

Museen/Theater/Kinos: 2
Bibliotheken: 2

Hotels: 7
Übernachtungen: 122 315

Oberbürgermeister-Stichwahl 2014:
Josef Schmid (CSU): 41,4 Prozent
Dieter Reiter (SPD): 58,6 Prozent

Lesen Sie hier: Pasing-Obermenzing - 13.000 Einwohner mehr bis 2040

Lesen Sie hier: Moosach - Mehr Schulen und Wohnungen für das junge Viertel

 

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