AZ-Serie Au-Haidhausen: Bald so dicht wie kein anderes Viertel

2016 zieht Paulaner (rot markiert) nach 380 Jahren in der Au nach Langwied um. Dann entstehen an der Ohlmüller-, Welfen- und Regerstraße 1450 neue Wohnungen. Foto: ho

Paulaner geht, Wohnungen kommen: Münchens fünfter Stadtbezirk erwartet bis 2030 rund 10 000 neue Bewohner.

 

München - Szenekneipen und griabige Boazn, wunderschöne Altbauten, Muffathalle, Gasteig, der Salvatorkeller am Nockherberg und die gemütlichen Auer Dulten.

Kein Wunder, dass die quirligen Areale rund um den Pariser und Weißenburger Platz oder die Straßenzüge längs der Isar wie an der Lilien- und Zeppelinstraße Orte sind, an denen die meisten Münchner gerne wohnen würden. Egal ob als Singles oder mit Familie und Kindern. Schon jetzt ist Au-Haidhausen (nur 14 Prozent Grünflächen) der Stadtbezirk mit der dritthöchsten Einwohnerdichte: 61 319 Menschen wohnen aktuell hier. Das sind – rein rechnerisch – 14 532 Menschen auf jedem Quadratkilometer. Getoppt wird diese Zahl nur noch von Schwabing-West (15 532) und der Schwanthalerhöhe (14 586).

Aber es wird noch viel enger: Bis 2030 wird Au-Haidhausen selbst auf Platz 1 stehen: Weil die Paulaner Brauerei, die 380 Jahre in der Au beheimatet war, ihren Produktionsbetrieb nach Langwied verlagert, werden große Flächen frei. Rund um Ohlmüller-, Reger- und Welfenstraße entstehen ab nächstem Jahr 1450 Wohnungen. Dazu kommen noch mal 200 auf dem Bernbacher-Gelände.

Allein dadurch werden an die 5000 Menschen neu ins Viertel ziehen. Insgesamt sollen es fast 10 000 Neubürger werden (plus 15,3 Prozent). Voraussichtlich viele junge Erwachsene, die als Azubis, zum Studieren oder für lukrative Jobs nach München kommen.

Dazu jede Menge Menschen, die sich teure Neubau-Eigentumswohnungen leisten können. Und viele junge Familien mit Kindern.

Alteingesessene sehen das mit Sorge. „Was über kurz oder lang massiv fehlen wird, ist ausreichend soziale Infrastruktur zu diesen vielen Wohnungen“, glaubt Adelheid Dietz-Will, die Chefin des örtlichen Bezirksausschusses. „Aus meiner Sicht sind viel zu wenig Kitas, Schulen und Treffpunkte für Nachbarschaften und für Senioren eingeplant worden. Wo sollen denn die vielen Kinder, die noch kommen, einmal betreut werden?“ Noch kommen in Au-Haidhausen, gemessen an der Einwohnerzahl, die meisten Babys Münchens zur Welt. 828 waren es im Jahr 2013 (360 mehr, als Menschen im Viertel gestorben sind).

Das allerdings wird sich laut Demografie-Bericht ändern: 2030 sind die jungen Erwachsenen von heute raus aus dem Kinderkriegen-Alter. Die Zahl der jungen Neuzuzügler wird sinken – und damit auch die Geburtenrate. Und der Altersschnitt im Bezirk wird steigen. Dann dräut gleich das nächste Problem: „Bis 2030 werden massenweise Neubau-Sozialwohnungen aus der Bindung fallen“, sagt Adelheid Dietz-Will. „Dann haben wir hier vermutlich Hunderte Familien, die ihre Miete nicht mehr zahlen können.“

 

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