AZ-Rentenserie Rente: Wird's denn reichen im Alter?

Auch die CSU warb 1957 für eine dritte Amtszeit von Konrad Adenauer. Foto: dpa/Ullstein

Wie Sie Ihren Vorsorge-Bedarf ermitteln, warum Sie sich in Geld-Angelegenheiten nicht zu lange binden sollten und warum auch hier gilt, dass der frühe Vogel den schmackhaftesten Wurm fängt.

 

München - Private Altersvorsorge gibt es nicht von der Stange. Sie muss auf die persönlichen Verhältnisse zugeschnitten werden und sich veränderten Lebensumständen anpassen. Die Größe der Familie, die Anzahl der Kinder und ihr weiterer Werdegang, die Höhe und Entwicklung des Einkommens bestimmen maßgeblich, ob und wie viel Geld für die Vermögensbildung bleibt.

Und wie viel angespart werden muss, um den Lebensstandard im Alter zu sichern. Theoretisch lässt sich die Vorsorgestrategie auf Jahre hinaus festlegen. In der Realität erfordern familiäre oder berufliche Veränderungen jedoch immer wieder ein Umdenken. Heirat, Kinder, Hausbau, Scheidung oder Arbeitslosigkeit – solche Einschnitte verändern die Anlageziele oder zumindest die finanziellen Ressourcen.

Deshalb gilt es, flexibel zu bleiben. Vor allem Sparer mit schmalem Budget haben selten so viel Geld, um es gezielt und ausschließlich fürs Rentenalter auf die hohe Kante zu legen. Oft genug kann es bis dahin zu Notlagen kommen, die einen vorzeitigen Rückgriff auf das Ersparte erfordern, oder es müssen eventuell Zeiten mit niedrigem Einkommen überbrückt werden.

Flexibel bleiben! Langfristig unkündbare Anlagen oder Produkte mit hohen Abschlägen bei vorzeitiger Kündigung haben dann keinen Sinn. Denn wer sich zu lange bindet und seinen Vertrag abbrechen muss, wird mit Geldverlust bestraft. Geld in den Sand zu setzen, das können sich Sparer mit knappem Budget nicht leisten! Im Gegenteil! Sie müssen jeden Cent so effektiv und kostengünstig wie möglich anlegen. Deshalb ist es oft besser, in Etappen von höchstens drei bis fünf Jahren zu sparen oder sich allenfalls sieben Jahre zu binden – auch wenn das eigentliche Sparziel die in weiter Ferne liegende Altersvorsorge ist. Mit dieser schrittweisen Anlagestrategie kommen Sie langfristig auch ins Ziel.

So kalkulieren Sie Ihren persönlichen Vorsorgebedarf: Mit der einmaligen Entscheidung für ein Vorsorgeprodukt ist es in der Regel nicht getan: Altersvorsorge ist eine Lebensaufgabe! Wer sich nach Abschluss des ersten Vertrags einfach bequem zurücklehnt, läuft Gefahr, dass die Zusatzrente letztlich zu knapp kalkuliert ist. Denn nicht nur bei der gesetzlichen Rente sind weitere Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Auch bei der privaten oder betrieblichen Zusatzrente wird meist nur eine Mindestleistung garantiert. Die von den Anbietern in Aussicht gestellte „prognostizierte Rente“ ist dagegen höchst ungewiss. Nicht selten wird sie von den Anbietern sogar wissentlich schöngerechnet.

Aber auch die allgemeine Preisentwicklung zählt zu den Unsicherheitsfaktoren, die maßgeblich bestimmen, wie hoch das Alterseinkommen letztlich ausfällt und was der Euro dann noch wert ist. Deshalb gilt es, die Versorgungssituation immer wieder zu überprüfen, Vorsorgebausteine gegebenenfalls neu zu gewichten und auch das Sparverhalten entsprechend anzupassen.

Erst Risiken absichern: Bevor die Altersvorsorge aufgebaut wird, müssen erst einmal die grundlegenden existenziellen Risiken abgesichert sein! Unvorhersehbare Schicksalsschläge können nicht nur die Gegenwart, sondern auch die finanzielle Zukunft schnell gefährden. Eine Haftpflichtversicherung ist daher für alle unverzichtbar, Berufsanfängern bleibt darüber hinaus selten viel Geld zum Vorsorgesparen.

Umso dringender ist es für sie, erst einmal ihr wichtigstes Kapital abzusichern: die eigene Arbeitskraft. Die Staatskasse zahlt bei Erwerbsunfähigkeit in den ersten fünf Jahren bestenfalls eine Minirente – sofern überhaupt schon Ansprüche bestehen. Der Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung, die im Ernstfall eine Monatsrente zahlt, ist daher unverzichtbar. Wenn das Geld knapp ist, greifen Sie zu einem Tarif, bei dem Sie die Rente später ohne erneute Gesundheitsprüfung aufstocken können – und sichern Sie erst einmal den Basisbedarf ab.

Für junge Leute in der Ausbildung empfiehlt sich unter Umständen ein Startertarif. Für junge Familien oder Alleinerziehende liegt die größte Gefahr darin, dass der Hauptverdiener ausfällt – sei es durch Krankheit oder Tod. Vor den finanziellen Folgen einer solchen Katastrophe schützt am besten eine Risikolebensversicherung, wobei die Versicherungssumme auf die persönlichen Verhältnisse maßgeschneidert werden muss.

Im Idealfall sollte sie ausreichend sein, um den Hinterbliebenen und den Kindern im Ernstfall den Lebensunterhalt so weit zu sichern oder aufzustocken, dass die Ausbildung der Kinder nicht gefährdet ist.

Im Minimum sollte sie wenigstens die bestehenden Kredite abdecken, sodass die Restfamilie im Ernstfall nicht auch noch auf einem Schuldenberg sitzt. Weil Risikopolicen allein das Todesfallrisiko abdecken, beträgt die Prämie meist nur ein Zehntel der Kosten einer Kapitallebensversicherung. Das ermöglicht den Abschluss ausreichend hoher Versicherungssummen, ohne gleich das Haushaltsbudget zu sprengen.

Förderungen nutzen – aber nicht blind zugreifen! Zum Sparen bleibt jungen Familien und Alleinerziehenden meist nur wenig. Gerade für sie lohnt es sich daher besonders, staatliche und etwaige betriebliche Förderungen voll auszuschöpfen. Allerdings sollten Sparer mit kleinem Budget niemals wahllos zugreifen, sondern alle Angebote erst einmal in Ruhe prüfen.

Welche Anlageformen in Frage kommen, richtet sich vor allem nach ihrer persönlichen Vermögenslage und dem Maß an Risiko, das sie bei der Kapitalanlage verkraften können. Dabei gilt: Je geringer der finanzielle Spielraum, desto höher der Sicherheitsbedarf – und umgekehrt! Ein wichtiger Faktor sind auch die Vertragskosten. Je niedriger sie sind, desto mehr vom Ertrag kommt beim Sparer an.

Deshalb lohnt es sich, alle Angebote zu vergleichen und sowohl auf die externen Kosten wie Kaufkosten, Kosten für das Konto oder Spardepot sowie auf die internen Vertragskosten wie Abschluss- und Verwaltungskosten zu achten, wobei Letztere auf den ersten Blick oft gar nicht in voller Höhe erkennbar sind.

Wer mehr Risiken eingehen kann: Auch die persönliche Risikomentalität und bereits vorhandenes Vermögen spielen eine Rolle. Wer bereits für das Alter vorsorgt, weil beispielsweise schon eine kleine Lebensversicherung vorliegt, ein Eigenheim geerbt wurde oder werden wird, kann durchaus etwas mehr Anlagerisiko wagen und zumindest einen Teil der weiteren Vorsorge mit riskanteren Anlageformen wie Aktienfonds aufbauen.

Wer dagegen auf die Ergänzung der gesetzlichen Altersversorgung existenziell angewiesen ist, beispielsweise weil die Rente vom Staat wegen fehlender Beitragsjahre oder geringem Einkommen ohnehin mager ausfallen wird, kann sich dagegen keine Experimente erlauben. Hier eignen sich ausschließlich sichere Anlagen wie Banksparpläne oder Sparverträge mit festverzinslichen Wertpapieren – auch wenn die Ertragschancen bei absolut sicheren „Sorglos-Produkten“ zweifelsohne nicht berauschend sind.

Außerdem sollten Sparer nicht nur die Erträge berücksichtigen, die sie für ihre Geldanlage erhalten. Auch die Zinsen, die sie für ihre Kontoüberziehung, Ratenkredite oder für die Immobilienfinanzierung zahlen müssen, wirken sich auf die Altersvorsorge aus – und zwar negativ.

Denn Kreditzinsen liegen fast durchweg höher als die Habenzinsen und fressen größere Löcher ins Vermögensbudget als sie zeitgleich mit Sparanlagen stopfen können. Deshalb ist es wichtig, das Konto in den schwarzen Zahlen zu halten. Auch Raten- oder Immobilienkredite sollten ebenfalls möglichst schnell abgezahlt werden, bevor sie mit dem Sparen beginnen.

Früh beginnen lohnt sich: Bei der Vorsorgeplanung spielt aber auch die Zeit eine Rolle, die bis zum Rentenbeginn bleibt. Denn je früher mit dem Sparen begonnen wird, desto geringer ist der Vorsorgeaufwand. Beispiel: Wer mit 30 Jahren anfängt, monatlich 50Euro anzulegen und dabei eine Rendite von vier Prozent erzielt, hat mit 65 Jahren knapp 36867 Euro auf dem Konto. Dafür sorgt der Zinseszinseffekt, der dem Sparkapital im Laufe der Jahre wachsende Eigendynamik verleiht. Wer erst mit 45 beginnt, muss sich – bei gleicher Sparrate und gleichem Zins – mit rund 16384 Euro begnügen.

Oder tiefer in die Tasche greifen und mindestens 112,51 Euro im Monat auf die hohe Kante legen, um vom gleichen Vermögen zehren zu können. Jüngere Sparer können ihre Altersvorsorge eher mit renditestarken, aber auch entsprechend riskanten Anlageformen aufbauen. Denn über einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren ist die Chance groß, mit Aktien oder Aktienfonds im Schnitt bessere Erträge erzielen zu können als mit anderen Anlageformen.

Je näher der Rentenbeginn rückt, desto mehr Vermögen sollte in sicheren Anlagen investiert sein. Deshalb ist es wichtig, rechtzeitig Kapital umzuschichten, von vornherein auf Risikostreuung zu achten und die Vorsorgegelder auf mehrere Anlageformen zu verteilen.

So sieht die optimale Altersversorgung aus: Sie sollte auf drei Säulen stehen – der gesetzlichen Rente oder Beamtenpension oder einer vergleichbaren Basisvorsorge, ergänzt um eine eventuelle betriebliche Altersvorsorge und um die Privatvorsorge. Grund genug für alle, vor Abschluss eines privaten oder betrieblichen Vertrages erst einmal eine persönliche Bestandsaufnahme zu machen. Denn jede Altersvorsorgestrategie ist so gut wie das Fundament, auf dem sie steht.

Klären Sie deshalb Ihren finanziellen Bedarf im Alter, bereits vorhandene Absicherungen und Ihre heutigen finanziellen Möglichkeiten, bevor Sie einen Vertrag unterschreiben. Nur wer den Überblick behält und den eigenen Bedarf kennt, kann jene Produkte auswählen, die zum eigenen Budget passen.

Darüber hinaus gilt: Vorsorgesparen dauert ein Berufsleben lang und niemand weiß, was die Zukunft bringt. Bleiben Sie flexibel und prüfen Sie jedes Angebot sorgfältig. Denn Fehler in der Altersvorsorge kommen teuer zu stehen – vor allem bei langfristigen Verträgen.

Die AZ-Serie gibt es als Buch: Den Ratgeber „Altersvorsorge mit wenig Geld“ der Verbraucherzentrale NRW erhalten Sie beim Versandservice der Verbraucherzentralen, Himmelgeister Straße 70, 40225 Düsseldorf. Einzelpreis 9,90 , zzgl. 2,50 Euro Versandkostenpauschale. Bestellung auch unter vz-ratgeber.de, publikationen@vz-nrw.de, Fax 0211/38 09 555, Tel.: 0211/38 09 235

 

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