AZ-Ratgeber Dispozinsen: Das müssen Verbraucher wissen

Kann ganz schön ins Geld gehen: ein Dispokredit bei der Bank. Foto: dpa

Bereits vor einigen Jahren beklagte die Stiftung Warentest die viel zu hohen Dispozinsen zahlreicher Kreditinstitute. Noch immer befindet sich der Leitzins der EZB auf einem rekordverdächtigen Tief, was zwangsläufig zur Frage führt: Wuchern Banken auch heute noch mit unverschämten Dispozinsen?

 

Diese Rolle spielt der Leitzins der EZB

Der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) dient als bedeutender Richtwert, um die jeweiligen Zinssätze des Dispositionskredites von Banken fair bewerten zu können. Dabei handelt es sich um jenen Zins, der für Banken entscheidend ist, wenn sie sich von der EZB Geld borgen. Seit März 2016 liegt er für die €-Zone unverändert bei 0,00 %, wodurch Verbraucher allgemein von einer spürbaren Senkung der Dispozinsen ausgehen. Sicher, aus Sicht der Bankkunden könnte er nicht niedrig genug sein. Doch Kreditinstituten muss auch das Recht eingeräumt werden, die geduldete Überziehung des Girokontos „entlohnt“ zu bekommen. Um 2010 herum war der Unterschied zwischen Leitzins und durchschnittlichem Dispositionskreditzinssatz durch die Finanzkrise auf etwa 12 % angestiegen.

Dispozins: So stellt sich die Situation heute dar

Dass der Abstand zwar auf 10 % gesunken ist, damit aber immer noch über den 8 % von vor der Finanzkrise liegt, verärgert viele Menschen. Die Stiftung Warentest hat knapp 1.400 Banken getestet, wodurch dieser durchschnittliche Dispozins entstanden ist. Dass zweistellige Zinssätze weit über 10 aufgerufen werden, ist keine Seltenheit. Hier tun sich insbesondere klassische Filialbanken hervor, die durch ihr Filialnetz mit höheren Kosten umgehen müssen und diese natürlich auf ihre Kunden umlegen. Hohe Kontoführungsgebühren sind da nur eine Säule, die Dispozinsen eine weitere. Wer durch zu lange Inanspruchnahme des Dispos in die Schuldenfalle gerutscht ist, kann mit einem günstigen Ratenkredit sinnvoll umschulden. Comdirect, DKB und allen voran die Deutsche Skatbank (0,00 %!) locken mit niedrigen Dispozinsen, falls Betroffene über einen Kontowechsel nachdenken.

Müssen Banken ihre Dispozinsen offen kommunizieren?

Lange war es so, dass Banken ein regelrechtes Geheimnis um die Höhe ihrer Dispozinsen gemacht haben. Der Gedanke dahinter war klar: Wissen potentielle Kunden, dass hohe Zinsen auf sie zukommen werden, suchen sie sich eine andere Bank. Also besser verschweigen. Eine ähnliche Taktik fahren viele Kreditinstitute bei den für sie unrentablen Basiskonten, die sie Kunden laut Gesetz anbieten müssen. Eine Pflicht besteht seit März 2016 auch in Sachen Kommunikation der Dispozinsen. Zahlreiche Banken halten sich daran und geben den Zinssatz online bekannt. Nichtsdestotrotz darf – ohne sich zu weit aus dem Fenster zu lehnen – angenommen werden, dass die Dispo-Abzocke auch weiterhin anhalten wird.

Von guten Seelen und bösen Tricks der Banken

Manche Banken versuchen, ihre Kunden noch immer zu verwirren. Während einige Kreditinstitute einfach zulasten der Kunden die Zins¬anpassungs¬klausel verändern, in der sie ja ihren Referenzwert offenlegen müssen, ignorieren andere Banken ein Abrutschen des Referenzwertes in den Minusbereich. Der Dispozins bleibt konstant oder steigt sogar leicht. Wieder andere Banken verschleiern den Dispo-Zinssatz komplett und verweisen lediglich auf den „Referenz-Zinssatz plus x-prozentigen Aufschlag“. Aber nicht alles ist schlecht. Manche Institute, darunter Sparkassen und Volksbanken, senken ihren Dispo fair und nennen als Gründe den dauerhaft niedrigen EZB-Leitzins sowie automatisierte Abläufe rund um den Dispo. Es bleibt also spannend, wie es mit den Zinsen weitergeht.

 

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