AZ-Ratgeber Die Skimming-Maschen

Die Sicherheitsexpertin der Euro-Kartensysteme erklärt in der AZ neue Trends beim Betrug an Geldautomaten: Im Ausland haben sich die Zahlen verdoppelt, Achtung auch an Tankstellen

 

München - Achtung am Geldautomaten – vor allem im Urlaub: Der Betrug mit dem Skimming-Verfahren innerhalb Deutschlands hat zwar mit Einführung der neuen EMV-Chips stark abgenommen – aber die Diebe haben ihre Aktivitäten nun deswegen ins Ausland verlagert. Die AZ erklärt die Trends – und wie Sie sich schützen können.

„Skimming” bedeutet, dass Betrüger Geldautomaten so manipulieren, dass sie die Daten vom Magnetstreifen einlesen können. Mithilfe von Mini-Kameras spähen sie dann Ihre PIN aus. Und so können sie in irgendeinem anderen Land einen weißen Plastikdummy samt Magnetstreifen basteln, diesen mit den Daten füttern und mit der PIN dann Geld abheben. Der Kunde merkt davon zunächst gar nichts – denn seine eigene Karte hat er ja immer noch. Erst mit dem Kontoauszug kommt das Erschrecken.

Seit Einführung des EMV-Chips hat sich das in Deutschland immerhin deutlich gebessert, so Margit Schneider, Leiterin Sicherheitsmanagement bei der Euro-Kartensysteme. Die Chips sind anders als Magnetstreifen nicht einlesbar. „Im Jahr 2010 gab es 1773 Endgeräte, die manipuliert worden sind: Geldautomaten, Türöffner, Tankstellen und Fahrkartenautomaten der Bahn. Im ersten Halbjahr 2011 waren es nur noch 553.” Bei der Schadenssumme betrage der Rückgang sogar mehr als 50 Prozent, sagt Expertin Schneider.

„Dafür gehen die Betrüger jetzt ins Ausland: 2010 gab es im gesamten Jahr 533 Fälle, wo Karten von Deutschen eingelesen worden sind. 2011 waren es alleine bis Juli schon 602 Meldungen: mehr als doppelt so viel. Skimming hat sich auch im Ausland etabliert. Und die Deutschen reisen ja so gerne”, sagt die Sicherheits-Fachfrau. Die meisten Fälle gab’s 2010 in Frankreich, gefolgt von der Türkei und Italien.

Aber wie kann man sich schützen? Die mit Abstand beste und gleichzeitig einfachste Methode: die PIN-Eingabe mit der anderen Hand abschirmen. „Damit ließen sich mindestens 80 Prozent aller Skimming-Fälle verhindern. Das sagt auch das BKA”, so Schneider. Denn in den allermeisten Fällen ist es nicht eine anwesende Person, die die Geheimnummer ausspäht, sondern eine versteckte Kamera. „Die sind so gut im Design des Apparats untergebracht, das kann kein Laie erkennen.” Hält man aber die Hand vor die Tastatur, ist der Betrug schon geblockt: Ohne PIN gibt’s auch mit den Daten vom Magnetstreifen kein Geld.

Zweite Möglichkeit: das Abhebe-Limit fürs Ausland auf Null setzen (zumindest für alle Länder bis auf das Urlaubsziel). Manche Banken, wie die Deutsche Bank, haben das ohnehin schon automatisch gemacht – was bei vielen im Urlaub zu bösen Überraschen geführt hat: Wer davon nichts mitgekriegt hatte, stand im Ausland erstmal ohne Geld da – er muss sich das Limit wieder freischalten lassen. Als Schutz gegen Skimming ist das Null-Limit allerdings hilfreich, wenn man es gezielt und bewusst einsetzt.

Und grundsätzlich: Speichern Sie die zentrale Sperrnummer 116116 (aus dem Ausland: +49/116116) und lassen Sie Ihre Karte schnellstmöglich sperren.

 

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