AZ-Ratgeber Bußgelder im Winter: Von falscher Bereifung bis mangelnde Sicht

Sieht lustig aus, kann aber teuer werden: ein Schneemann auf dem Autodach. Foto: imago/Fotoarena

Wer immer noch mit seinen Sommerreifen unterwegs ist oder seine Scheibe nicht vollständig vom Eis und Schnee befreit, der bringt sich und andere in Gefahr – und muss mit teilweise empfindlichen Strafen rechnen.

 

München - Im Winter dauert alles etwas länger, darum sollten Autofahrer grundsätzlich mehr Zeit einplanen. Nicht nur die zusätzlichen Minuten, bis der Wagen fahrbereit ist, schlagen auf dem Zeitkonto zu Buche. Auch die täglichen Fahrten dauern wesentlich länger. Wer sich den Umständen nicht anpasst und unvorsichtig fährt, schlecht zu sehen ist oder im Straßenverkehr zu einer (potenziellen) Gefahr für andere wird, den erwarten Punkte in Flensburg und Geldbußen.

Wie hoch die Strafen sind, kann auf der Seite www.bussgeldkatalog.de ermittelt werden. Dort finden Verkehrssünder auch detaillierte Informationen, wie sich Punkte wieder abbauen lassen. Über die wichtigsten und gefährlichsten Vergehen im Winter sollte jeder Autofahrer bescheid wissen. Denn eines ist klar: Auch wenn so manche Skisaison zu spät begann, der Winter kommt bestimmt.

Freie Sicht für eine sichere Fahrt

Zugegeben, wessen Wagen nicht in einer geschützten Garage steht, der hat am Morgen nicht wenig Arbeit. Vor allem, wenn der Wintereinbruch überraschend kommt und man noch keine Gelegenheit hatte, eine mobile Garage über die Scheiben zu legen, um sie über Nacht eisfrei zu halten. Jetzt bleibt zu hoffen, dass die Schlösser nicht zugefroren sind und sich der Enteiser im Wagen befindet.

Um das lästige Kratzen kommt man wohl nicht herum, es sei denn, man verwendet ein (leider umweltschädliches) Spray für diesen Zweck. Wer glaubt, es können sich durch das Laufenlassen des Motors das Kratzen etwas erleichtern, hat nicht mit dem Gesetzgeber gerechnet. Dieser „belohnt“ diese Umweltsünde nämlich mit einem Bußgeld in Höhe von 10 Euro, falls gerade ein strenger Ordnungshüter des Weges kommt. Auf jeden Fall sollte man die Scheiben komplett von Eis und Schnee befreien und darauf verzichten, sich nur ein schnelles Guckloch in die Frontverglasung zu kratzen. Die eingeschränkte Sicht stellt nicht nur eine erhebliche Gefahr dar, sie schlägt auch mit 10 Euro Strafe zu Buche.

Übrigens: Gegen das lästige Anlaufen der Scheiben von innen hilft ein Beutelchen mit Reis, der im Wagen deponiert wird.

Der Schneemann auf dem Autodach

Man hat mühsam die Scheiben rundherum von Eis und Schnee befreit, das Schloss geöffnet und sein Kennzeichen von Schnee befreit, um sich die 5 Euro Strafe zu sparen, falls das Nummernschild nicht richtig gelesen werden kann. Nun kann die Reise losgehen, oder? Weit gefehlt, denn der prüfende Blick auf das Dach darf nicht vergessen werden. Hier stapelt sich häufig der Schnee, der während der Fahrt dem nachfolgenden Verkehrsteilnehmer auf die Scheibe fallen kann. Wer also mit einem Schneemann auf dem Dach erwischt wird, zahlt 25 Euro.

Das geht sich recht preiswert aus, wenn man es mit der Strafe vergleicht, die für eine herabfallende Eisplatte droht. Wer hierauf nicht achtete, zahlt 80 Euro Bußgeld und bekommt einen Punkt. Geschieht ein Unfall, erhöht sich das Bußgeld sogar auf 120 Euro. Die hohe Strafe ist nur zu verständlich, denn durch herabfallende Eisplatten können erhebliche Schäden verursacht werden.

Sommerreifen im Winter

Eigentlich gibt es in Deutschland keine konkrete Winterreifenpflicht, doch wer bei Eis und Schnee auf den Straßen mit Sommerreifen erwischt wird, dem drohen eine Strafe von 60 Euro und ein Punkt. Behindert der Umstand der falschen Bereifung den Verkehr, sind 80 Euro fällig, im Fall eines Unfalls sogar 120 Euro. Warum sind Sommerreifen für den Winter nicht geeignet? Sie sind aus einer anderen Gummimischung gefertigt, die bei unter 7 Grad schneller porös wird und an Elastizität verliert. Winterreifen haften besser auf verschneiter, vereister und nasser Fahrbahn und bei niedrigen Temperaturen.

Sehen und gesehen werden

Leise rieselt der Schnee und die eigene Sicht ist trotzdem gut? Dennoch muss das Abblendlicht eingeschaltet werden, denn es geht immer auch darum, im Sraßenverkehr gesehen zu werden. Wer das versäumt, kommt allerdings mit 25 Euro und ohne Punkt noch recht glimpflich davon. Beim Thema Sicht geht es jedoch auch immer um die Geschwindigkeit. Wer bei schlechter Sicht zu schnell unterwegs ist, wird zur Kasse gebeten. Als Faustregel gilt: Tachostand gleich Sichtweite. Bei einer Sichtweite von unter 50 Metern gilt also ein Tempolimit von 50 km/h. Um die Sichtweite ermitteln zu können, sind die Leitpfosten an der Straße eine gute Orientierung. Ihr Abstand beträgt nämlich 50 Meter. Wer in einer solchen Situation zu schnell fährt, nämlich innerorts unter 25 km/h und außerorts bis zu 30 km/h, muss eine Strafe von 80 Euro zahlen. Zudem gibt es noch einen Punkt in Flensburg.

Warm oder sicher? Die Kleidung im Auto

Auch wenn das Wetter noch so schlecht ist, Autofahrer sollten darauf verzichten, mit dicken Winterjacken zu fahren. Das fühlt sich zwar kuschelig an, kann aber im Fall der Fälle zu einem Sicherheitsproblem werden. Denn die dicken Daunen zwischen dem Körper und dem Gurt können dazu führen, dass die Wirkung der Sicherheitsgurte verpufft, weil der Gurtstraffer nicht richtig funktioniert. Auch Kleinkinder sollten nicht in einer dicken Jacke oder anderer Winterbekleidung im Auto fahren.

 

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