AZ-Radenkovic-Interview zum 80. Teil 2 - Radis Abrechnung: "Keiner war fähig"

Petar Radenkovic mit AZ-Reporter Marc Merten. Foto: az

Teil zwei des großen AZ-Interviews: Die Torwart-Legende über ehemalige Löwen-Trainer, das Milliardengeschäft Fußball und die Frage, was dem TSV 1860 fehlt.

 

AZ: Herr Radenkovic, Sie wollten vor gut 30 Jahren selbst mal bei 1860 einsteigen, wurden aber von Präsident Erich Riedl mit einer verschobenen Wahl daran gehindert. Eigentlich wollten Sie es mit Ihren Leuten Bayern nachmachen.

PETAR RADENKOVIC: Genau. Wir wollten die ehemaligen Spieler mit einbinden. Aber nicht nur die, auch gute Leute aus der Wirtschaft. Aber das war Sechzig egal. Die Leute, die gewählt wurden, hatten wenig Ahnung von Fußball. Auch die heutigen Leute. Auer, Schneider – wer ist das? Schauen Sie doch, da kommt ein Investor, und anstatt zusammenzuarbeiten, was machen die? Bei Chelsea, Manchester City, PSG, da funktioniert es. Und hier arbeiten sie gegeneinander.

Und jetzt wird auch noch der Vorstand verklagt. Ist das typisch Sechzig?

Aber ja! Das ist eine Blamage! Ich weiß nicht, ob ich noch miterleben werde, dass sich das ändert.

Hat man Sie nach der verlorenen Wahl irgendwann noch mal nach Ihrem Rat gefragt?

Nein, mit mir hat niemand gesprochen. Aber auch mit den anderen Ehemaligen nicht. Fredi Heiß war der Einzige. Warum, weiß ich nicht.

Wann war das letzte Mal, dass Sie das Gefühl hatten, bei Sechzig läuft es gut?

Vor 50 Jahren.

Lesen Sie hier Teil eins des Interviews: "1860 fehlte ein Hoeneß"

Und was ist mit der Ära Werner Lorant?

Werner Lorant hat Sechzig auf den Stand gebracht, auf dem Sechzig heute ist. Wildmoser hat ihm freie Hand gelassen und er konnte machen, was er wollte. Das ging lange gut. Und am Ende war kein Geld mehr da, keine guten Spieler. Wo ist Lorant heute? Wo war er in den letzten zehn Jahren? Er hat irgendeine Amateurmannschaft trainiert.

So wie viele ehemalige Löwen-Trainer später keinen guten Job mehr bekommen haben.

Na klar, weil keiner fähig war. Bei Sechzig wurde immer nur nach der Macht geschaut. Da wollte man keinen starken Trainer. Die hätten ja sonst was zu sagen. Der Investor, Hasan Ismaik, wollte doch mal Sven-Göran Eriksson holen. Und was macht der Klub? Er holt einen Trainer aus der Jugend (Alexander Schmidt, Anm. d. Red.).

Was fehlt dem Klub?

Die richtigen Leute und Geld. Dieser Klub hat das, was viele andere nicht haben. Eine Basis. Zuschauer. Das ist das größte Kapital von Sechzig.

Haben Sie Kontakt zu den aktuell Verantwortlichen?

Nein. Aber die ändern sich ja auch häufig. (lacht)

Die Zeiten im Fußball haben sich enorm gewandelt, gerade in den letzten Jahren. Heute ist Fußball ein Multi-Milliarden-Geschäft mit schwindelerregenden Gehältern. Dürfen wir Sie fragen, was Sie damals in den 60er Jahren verdient haben?

Ich habe mal ausgerechnet, dass ich in acht Jahren bei 1860 etwas mehr als eine halbe Million Mark verdient habe. Der erste Vertrag war noch limitiert. 400 Mark im Monat für Nationalspieler. Dazu gab es noch einen Sponsorenvertrag. Bei uns gab es Coca Cola. Da standen wir auf der Gehaltsliste von Coca Cola, ohne zu arbeiten. Das gab noch mal 1000 Mark pro Monat dazu. In der Bundesliga war dann alles anders. Statt 400 Mark gab es 1600 Mark.

Lesen Sie hier: Kult-Keeper, Sänger, Model - "Radi" Radenkovic wird 80

Wird man da neidisch, wenn man sieht, was die Spieler heute einstreichen?

Was heißt schon neidisch? Geld alleine bringt kein Glück. Bei den vielen Millionen, die die verdienen, müssen sie auch viel nachdenken, wie sie ihr Geld investieren. Aber statt es klug zu machen, wird alles verpulvert. Für 80 Prozent der Spieler ist es wichtig, was sie verdienen. Nur die Klugen bleiben auch für weniger Geld bei ihrem Verein.

Ist das der größte Unterschied zwischen den Spielern damals und heute?

Damals spielte keiner einfach nur für Geld. Diese Mentalität hat sich geändert. Wir haben früher viel zusammen erlebt und unternommen. Heute kommen die Spieler zum Training, sagen „Guten Tag“ und fahren wieder heim.

Sie sind die größte Ikone der Löwen. Werden Sie heute noch auf der Straße erkannt?

In Belgrad nicht so häufig. Aber ich reise ja viel. Da sind viele Touristen, besonders aus Deutschland. Dann wird mir oft noch zugerufen: „Bin i Radi, bin i König!“

 

13 Kommentare