AZ-Porträt über Angela Inselkammer Das ist die Frau an der Wirte-Spitze

Angela Inselkammer ist jetzt Bayerns oberste Gastwirtin. Foto: dpa

Mit satter Mehrheit gewinnt die Gastronomin die Wahl. Ein Porträt.

 

Das Wahlergebnis sorgte für Applaus. Mit satten 92 Prozent der Stimmen wurde Angela Inselkammer zur Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG) gewählt. Damit ist die Hotelchefin aus der berühmten Ayinger Brauerfamilie die erste Frau an der Spitze der bayerischen Gastronomen.

Was der fachkundigen Angela Inselkammer (und ihrem Unterstützer-Team) geglückt ist, hätte bis vor Kurzem niemand für möglich gehalten: Die Position an der Verbandsspitze war seit jeher fest in Männer-Hand. Jetzt gibt es eine oberste Repräsentantin für die knapp 30 000 Gaststätten und mehr als 10 000 Beherbergungsbetriebe in Bayern, in denen über 360 000 Menschen beschäftigt sind.

Mit Angela Inselkammer steht eine erfolgreiche Gastronomin aus Oberbayern an der BHG-Spitze. Die 57-jährige Unternehmerin führt rund 20 Kilometer südlich von München gemeinsam mit ihrer Tochter Ursula das familieneigene Ensemble „Brauereigasthof Hotel Aying“, wo im Oktober 2006 mit großen Sicherheitsvorkehrungen und ebensolchem Konvoi auch schon mal Kreml-Chef Wladimir Putin mit Edmund Stoiber und Co. einkehrten.

Zum schmucken Hotel plus Feinschmeckerlokal „August und Maria“ und urigem Ayinger-Bräustüberl gehört auch die Brauerei. Diese leitet inzwischen Sohn Franz Inselkammer junior, der dem beliebten „Bräu von Aying“ in siebter Generation nachgefolgt ist.

Franz Inselkammer senior hat sich mit 80 Jahren weitgehend aus dem Geschäft zurückgezogen. Seine Frau Angela lässt keine Zweifel aufkommen, dass sie Beruf, Privatleben und nun auch den BHG-Vorsitz problemlos unter einen Hut bekommen kann.

Image der Branche aufpolieren

Ihre Wahl zur Präsidentin nahm sie jetzt im oberfränkischen Kulmbach freudestrahlend an. In der dortigen Stadthalle hatten die Landesdelegierten getagt. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht die neue Verbandschefin im Bemühen um den Gastro-Nachwuchs und dessen Ausbildung. Gerade in Bayern klagen die Wirt über große Nachwuchsprobleme. Nicht zuletzt deshalb will Inselkammer in ihrer dreijährigen Amtszeit das Image der Branche aufpolieren. „Wie alle Dienstleistungsberufe haben wir Probleme“, sagte die neue Präsidentin: „Das ist in der Pflege nicht anders als in der Gastronomie“, in der man früh Karriere machen könne.

Neben einer Image-Verbesserung will Angela Inselkammer die Rahmenbedingungen im Gastgewerbe verbessern. Eine Flexibilisierung der „starken Reglementierungen“ sei notwendig, betonte sie mit Blick beispielsweise auf das sehr strikte Arbeitszeitgesetz.

Bei der Wahl war der bisherige Verbandschef Ulrich Brandl nach sechs Jahren an der Verbandsspitze nicht mehr angetreten. Brandl, der sich für Reformen im Verband starkgemacht hatte, unterstützte Angela Inselkammer, die zuletzt BHG-Vize-Präsidentin war. Kurz vor der Wahl ließ er wissen: „Ich habe immer gesagt: Wenn einer kommt und in meiner Folge weitermachen will und das in mindestens gleicher Qualität oder noch besser, werde ich zur Seite treten.“

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Fakt ist, dass man im Verband mit Angela Inselkammer an der Spitze auf weniger Turbulenzen hofft. Sie überzeugte bislang mit ihrer ausgleichenden Art. Ulrich Brandl fiel vor allem verbandsintern nicht selten durch eher schroffes Vorgehen auf. In der Öffentlichkeit, im Kampf um die Sache, war sein Stil indes durchaus zielführend. Schließlich stieß Brandl so auf Gehör.

Münchens BHG-Kreisvorsitzender Conrad Mayer bringt es auf den Punkt: „Ulrich Brandl hat die Bedürfnisse unseres Verbandes sichtbar gemacht und er kämpfte stets mit offenem Visier.“ Letzteres ist fraglos ein Seitenhieb auf Brandls Vorgänger Siegfried Gallus, dessen Führungsstil oft geradezu selbstherrlich war.

Bleibt abzuwarten, wie Angela Inselkammer den Verband führen wird. Ein Wahlergebnis von 92 Prozent der Stimmen ist jedenfalls schon mal ihr erster großer Erfolg.

 

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