AZ-Nachtkritik Tollwood: Roger Hodgsons Supertramp Memorial Party

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Roger Hodgson entführt die Besucher auf dem Tollwood auf eine Reise durch die Hits von Supertramp. Die AZ-Kritik.

 

Gäbe es einen Preis für den gelassensten Superstar, er ginge zweifellos an Roger Hodgson. Der 65-jährige Supertramp-Gründer, Texter und Komponist von Welthits wie „Dreamer“, „Logical Song“ , „Give A Little Bit“ begeistert seine Fans zum Tollwood-Auftakt mit einem ausgedehnten Streifzug durch die Geschichte der Band, die er 1983 verließ und streut noch ein paar Songs aus seiner Solokarriere ein.

Nicht das Ego, sondern die Aura des Mannes ist riesig. „Meine Begeisterung ist echt, nicht gespielt“, sagte er der AZ vor dem Konzert. Die Freude an seiner Musik und seiner exzellenten Begleitband ist ansteckend, Hodgsons Stimme immer noch erstaunlich. Ein begeisterndes Mitsing-Konzert eines Musikers mit Haltung – auch zum Thema Tierschutz. Besser kann Tollwood nicht starten.

Supertramp Memorial Party

 Gleich zu Beginn das große Paket mit den Streicheleinheiten: "Tollwood ist ein sehr ambitioniertes und schönes Festival. Das schönste Festival,  das ich kenne, weltweit!" Eröffnungs-Star Roger Hodgson, Gründungsmitglied der legendären Poprock-Band Supertramp, ist wild entschlossen, seinen Fans im gut besuchten Tollwood-Musikzelt einen unvergesslichen Abend zu bieten.

"Ab jetzt schaltet alle eure Sorgen aus, legt sie einfach ab. Und widmet euch der Musik und den schönen Erinnerungen, die damit verbunden sind." Und genau so kam es. Eigentlich hätte man schon nach dem ersten Drittel des Konzerts alle Stuhlreihen wieder abbauen können, denn es hielt kaum jemanden mehr auf seinem Sitz. Ein beeindruckendes Eröffnungs-Konzert für das diesjährige Tollwood.


 Und nachdem München nun nach dem dritten Besuch so etwas wie ein Stück Heimat für den Komponisten und Sänger geworden ist, gibt's als Opener "Take The Long Way Home". Und gleich darauf den Evergreen "School", allerdings ohne das bekannte Intro auf der Mundharmonika. Macht aber nichts. Man freut sich richtig, einen bekannten Titel mal leicht verändert zu hören, denn ansonsten halten sich Hodgson und seine Band ziemlich genau an die Aufnahmen, wie man sie von den Platten her kennt. Da  kommt jeder Ton eins zu eins rüber, genau so wie sämtliche Arrangements, fast ein bisschen zu perfekt.
 Der Supertramp-Sound lebt aber eindeutig in erster Linie von den Kompositionen. Ob "Breakfast In America", "The Logical Song", "Dreamer", "Hide In Your Shell" oder auch "Give A Little Bit" - sie alle sind inzwischen Evergreens. Und sie alle haben diesen ganz gewissen Touch der Melancholie, Edel-Pop in violettfarbenem Cellophanpapier, sanft bestäubt von einem Hauch schweren Parfüms.


 Dieses Muster zieht sich auch durch die Konzepte der neueren Solo-Songs wie "Lovers In The Wind" und "Along Came Mary".
 Und ganz besonders wird es zelebriert in den vielschichtigen und fast schon operettenhaften Werken wie "Child Of Vision", "Death And A Zoo" und "Fool's Overture". Da greifen mehrere Melodienbögen ineinander, verschmelzen, trennen sich wieder, werden dekoriert mit vielen Geräuscheinspielungen, und sind eigentlich viel zu kompliziert für das Genre Pop. Doch die Fans kennen sie alle, lassen sich voll darauf ein und singen sogar mit.


 In der Zugabe dann natürlich "Give A Little Bit" und "It's Raining Again", wieder eingänglich und voll im Supertramp-Nostalgie-Taumel. "Wenn ich darf, komm' ich gerne wieder", ruft Hodgson den begeisterten Fans zum Abschied zu. Aber ja doch.


 Vorher aber gibt es am 29. November in der Olympiahalle den zweiten Teil der Supertramp-Saga: Hodgsons ehemaliger Bandkollege Rick Davies tritt unter dem Motto "Supertramp forever" an. Auf den Vergleich darf man wieder mal mehr als gespannt sein.         

 

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