AZ-Müll-Serie "Coffee to go": 257 000 Pappbecher täglich

Vier Bilder, ein Problem: Überall in der Stadt quellen Abfalleimer wegen der vielen Pappbecher über – viele landen gleich auf dem Boden. Foto: AZ/ Sigi Müller

Kaufen, mitnehmen, austrinken, wegschmeißen: München ist übersät von Getränkebehältern. Der Bezirksausschuss will Unternehmen wie Starbucks an den Reinigungskosten beteiligen

 

MÜNCHEN - Sie nisten in Rinnsteinen, in Parks und in Blumenbeeten. Sie schwimmen auf dem Eisbach, rollen auf dem Asphalt und purzeln aus Abfalleimern: Pappbecher überfluten München wie eine neue, aggressive Spezies.

Die vermehrt sich rapide: 257000 Becher werden jeden Tag weggeworfen – ein dreieinhalb Tonnen schwerer Haufen. München ist papp-satt.

Diese Zahl errechnet sich folgendermaßen: Laut dem Deutschen Kaffeeverband trinkt jeder Deutsche rund 20 Liter Kaffee to go im Jahr. In 0,3-Liter-Bechern umgerechnet sind das jährlich 67 Stück pro Kopf. Multipliziert mit den 1,4 Millionen Münchnern ergibt das 93 Millionen Kaffeebecher im Jahr oder etwa 257000 pro Tag. Ein statistischer Wert – aber einer, der laut Straßenreinigung „absolut wahrscheinlich ist“ (siehe Interview).

Es landen nicht nur Becher, auf der Straße und in den Abfalleimern. Auch Verpackungen für Pizza oder Burger sind ein großes Problem. Der Müll zum Mitnehmen – er führt zur Münchner Müll-Explosion. Der Hofgarten ist am Sonntagmorgen übersät von Schachteln und Bechern. Gleiches Bild auf der Sonnenstraße oder in der Fußgängerzone: Abfalleimer quellen über, Straßen werden zu Müllkippen. In Schwabing ist es auf der viel besuchten Leopoldstraße am schlimmsten, sagt Bezirksausschuss-Chef Werner Lederer-Piloty. „Dort landet der Abfall nur im günstigsten Fall im Abfalleimer.“

Der BA will deshalb Kaffeeverkäufer wie Starbucks an den Straßenreinigungskosten beteiligen. Mit dieser Initiative haben die Schwabinger Stadtteilpolitiker einen Nerv getroffen: Elf von insgesamt 24 Bezirksausschüssen unterstützen den Plan.

Ein entsprechender Antrag soll bald im Stadtrat behandelt werden. „Die sollen sich sputen“, sagt Werner Lederer-Piloty. „Das Problem brennt.“

 

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