AZ-Meinung Wahlen: Magnet Europa

Matthias Maus, der Chefreporter der AZ, über die bevorstehende Europawahl

 

Viele Gewissheiten gibt es nicht mehr in der allgemeinen politischen Verunsicherung. Eine Ausnahme: Nichts funktioniert zuverlässiger als eine offene Verächtlichmachung der EU und ihrer Institutionen. Europa als dickes, aufgeblasenes bürgerfeindliches Monster zu diffamieren: Das bringt ein paar sichere Lacher – und ist absolut ungerecht.

In vier Wochen sollen wir in diesem Umfeld zum Wählen gehen, und man ist kein Prophet, wenn man eine miese Wahlbeteiligung vorhersagt. Das ist allgemeiner Wahlmüdigkeit geschuldet, aber auch Politikern, die Europa zum Gespött machen, die Schuld für alle möglichen Missstände auf Brüssel schieben.

Dieselben Politiker wundern sich, wenn Rattenfänger und Populisten das Rennen machen. Es ist ein Trauerspiel.

Es ist nicht populär, Europa als Erfolgsgeschichte zu erzählen, die EU als Hoffnungsträger zu sehen. So ist es aber. Fast sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat die EU aus Erbfeinden Partner gemacht. Wie groß diese Leistung ist, zeigt ein Blick nach Asien, wo zwischen vielen Staaten nach wie vor Konflikte und Feindschaften bestehen.

Trotz aller Mängel und Unvollkommenheiten: Die Anziehungskraft Europas als Heimat der Demokratie ist ungebrochen. Sie ist eine lebendige Alternative zu totalitären und korrupten Regimes. Europa mit seinen Möglichkeiten der Mitbestimmung wird weiter gebraucht. Machen wir mit. Gehen wir vernünftig wählen!

 

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