AZ-Meinung Vorsicht, Bumerang!

Der Vize-Chefredakteur Georg Thanscheidt über die Drohnen- und die Späh-Affäre und die anstehende Bundestagswahl.

 


Manchmal können Themen oder Ereignisse in Deutschland Wahlergebnisse maßgeblich beeinflussen, die zuvor niemand auf dem Zettel hatte – weil sie fälschlicherweise zu weit entfernt schienen, zu komplex oder schlicht zu unpolitisch. Das war beim Elbe-Hochwasser 2002 so – Edmund Stoiber hielt das noch für schlechtes Wetter, da hatte Gerhard Schröder die Flut schon im Wählerstimmen verwandelt. Das war 2005 so, als Angela Merkel es für eine glänzende Idee hielt, ein eher komplexes Thema wie das Steuerrecht zum Wahlkampfthema zu machen, und ihr die SPD den „Professor aus Heidelberg“ so lange um die Ohren gehauen hatte, dass Schröder kaum glauben konnte, dass er doch verloren hatte.

Das könnte auch 2013 passieren: Noch versucht die Kanzlerin, die Misswirtschaft bei der Bundeswehr und die Zusammenarbeit mit den NSA-USA so lange unkommentiert zu lassen, bis sie von anderen Themen von der Tagesordnung verdrängt werden. Taktisch gesehen keine schlechte Idee – beide Themenkomplexe sind eher sperrig, eine persönliche Betroffenheit kann nur durch intellektuelle Anstrengung erzeugt werden. Wahlstrategisch könnte dies allerdings zum Bumerang werden – und beide Themen kurz vor dem 22. September noch einmal mit voller Wucht in Berlin aufschlagen. Nämlich dann, wenn sich herausstellen würde, dass nicht nur Thomas de Maizière die Öffentlichkeit belogen hat, sondern auch die Kanzlerin sich in Sachen Späh-Attacken unwissend gestellt hat. Sowas, liebe Frau Merkel, geht gar nicht.

 

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