AZ-Meinung Und jetzt Neuwahlen?

Anja Timmermann, Politikredakteurin, über die Möglichkeit von Neuwahlen

 

So richtig gut sieht es gerade nicht aus für ein Zustandekommen der großen Koalition – und schon werden die Rufe der Bürger und halblauten Nachdenkereien der Politiker über Neuwahlen lauter. Den erhofften Ausweg bieten sie allerdings nicht. Dass CSU-Chef Horst Seehofer jetzt sagt, ihm sei nicht bang vor Neuwahlen, ist vor allem eine Botschaft an die SPD: Überzieht bloß nicht. Dass viele Wähler sich angesichts des Gewürges einen Befreiungsschlag erhoffen, ist halbwegs nachvollziehbar – die Hoffnungen, die sie damit verbinden, sind allerdings trügerisch.

Einige AZ-Leser schreiben, sie wollen jetzt Neuwahlen, weil es ja dann sicher eine konservative Mehrheit gibt. Andere schreiben, sie wollen jetzt Neuwahlen, weil es ja dann sicher eine linke Mehrheit gibt. Tatsächlich dürfte es weder das eine noch das andere sein. Eine absolute Mehrheit der Union war zwar beim letzten Mal nur wenige Sitze entfernt. Doch wenn jetzt die Euro-Gegner AfD reinkommen (und danach sieht es aus), ist das rechnerisch kaum noch möglich. Die SPD wiederum ist eh schon abgesackt in den Umfragen. Bei einem Verweigern der großen Koalition – noch immer jedenfalls laut Umfragen die Lieblingsvariante der Deutschen – würde es wahrscheinlich noch weiter nach unten gehen. Nur: Dann bleiben nach einer Neuwahl erst recht kaum noch andere Optionen als eben eine große Koalition. In der Haut der SPD-Mitglieder möchte man grad nicht stecken.

 

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