AZ-Meinung Termin-Wahl: Alles nur Taktik

Die AZ-Landtagskorrespondentin Angela Böhm über den Streit der CSU um den Wahltermin

 

Ob die Bayern zu dumm für diesen Intelligenz-Test sind? Bei der Bayern-Wahl müssen sie fünf Kreuze machen. Wählen sie den Bundestag gleich dazu, sind’s zwei mehr. Aber wer soll dann so viele Kreuze so schnell auszählen, damit nicht die ganze Republik auf das Resultat aus dem Süden warten muss? Das soll das Superland mit der besten Schulausbildung nicht stemmen können?

Horst Seehofers Qual mit dem Wahltermin ist in Wahrheit vor allem Taktik. Für den Sieg bei der „Mutter aller Schlachten“ muss alles genau austariert werden. Als Seehofer sich auf zwei Wahltermine festlegte, sah es für Kanzlerin Merkel nicht gut aus. Sie drohte, mit ihrer Chaos-Regierung die CSU bei einem gemeinsamen Wahltermin in Bayern nach unten zu ziehen.

Inzwischen hat sich der Wind gedreht. Merkel bringt mit ihrer Europa-Politik auch die CSU in den Aufwind. Da ist ein gemeinsamer Wahl-Termin komfortabel.

Zwischendurch überlegte Seehofer sogar, die Bayern-Wahl vorzuziehen, als seine Koalition wegen der Studiengebühren zu platzen drohte. Das aber war ihm dann doch zu riskant. Im Moment fühlt er sich mit seinen Umfragen selbst stark genug. Fürs Ego ist ein eigener Wahltermin genau das richtige.

Doch der Zocker weiß: Glück kann sich schnell wenden. Wie die SPD gerade bitter erfahren muss. Da spielt Seehofer lieber auf Zeit – und Geld keine Rolle. Zahlen muss eh der Steuerzahler, ob nun an einem oder zwei Tagen gewählt wird.

 

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