AZ-Meinung Mehr Betreuung!

Vanessa Assmann, AZ-Redakteurin über die fehlenden Krippenplätze in München

 

Das ist mal wieder typisch München. Weil sich so viele Menschen hier wohl fühlen, purzeln in der Stadt nur so die Babys hervor. Man schaue sich den August an: 2033 Neugeborene – das waren so viele wie nie zuvor in einem Monat. Eins ist unstrittig: Als Geburtsort ist München attraktiv wie nie. Doch diese Attraktivität bedeutet eine immense Herausforderung für die Stadt. Denn just die August-Zwergerl und ihre Eltern gehören zum ersten Schwung jener, die Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz haben. Will München keine Klagewelle riskieren, muss die Stadt den Ausbau von Krippenplätzen weiter voran treiben. Mag die Statistik auch noch so positiv davon sprechen, dass im Jahr 2013 der Bedarf für Ein- bis Dreijährige genau erfüllt sein wird – für viele Eltern auf dem Sprung zurück in den Job klingt das wie Hohn. Denn die Wartezeit bei städtischen Krippen, so erfahren die Bittsteller am Servicetelefon der Stadt, beträgt derzeit eineinhalb bis zwei Jahre. Ab Anmeldung. Beste Chancen hat der, der sein Ungeborenes gleich nach dem positiven Schwangerschaftstest anmeldet. Oder am besten schon davor. Ein Hoch auf die Weitsicht! Die Rechnung für die Stadt-Politiker ist einfach: Mit jedem neu geborenen Münchner steigt der Bedarf an Betreuungsplätzen. Denn auch das ist typisch München: Mit bloß einem Einkommen lässt sich nur schwer eine Familie ernähren – und auch nicht mit 100 Euro Betreuungsgeld im Monat.

 

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