AZ-Meinung Jolies Brust-Amputation: Mut und Unbehagen

Matthias Maus, Chefreporter der Abendzeitung, über Angelina Jolies Operation: Es ist mehr als nur ein weiterer PR-Gag aus Hollywood.

 

Wir leben in einer Zeit, in der Lachfalten mit Nervengift weggespritzt werden. Was medizinisch machbar ist, das wird gemacht. Es wird bestens verdient mit dicken Lippen, wie sie auch Angelina Jolie sich machen ließ, mit aufgepolsterten Busen und abgespeckten Hüften.

Und doch wäre es falsch, dem Hollywood-Wesen Jolie nur eine weitere Narretei oder einen weiteren PR-Gag zu unterstellen, als sie über ihre Brust-Amputationen sprach. „Machbarkeitswahn? Unsinn, das ist medizinischer Fortschritt“, sagt der Münchner Professor auf die Frage, ober er den Schritt der 37-Jährigen verstehe.

Es ist nachvollziehbar, dass eine Frau nicht mit dem 80-prozentigen Risiko leben möchte, eine schwere, vielleicht tödliche Krankheit zu erleiden. Die Erkenntnis verdankt sie einem Gentest. Sich auf diesen zu verlassen ist nachvollziehbar – und es ist mutig.

Aber wird sie deshalb zum Vorbild? Nicht wenige hegen ein Unbehagen gegenüber einer Medizin, bei der zwei Professoren drei Meinungen haben, bei der heute richtig ist, was vor Jahren grundfalsch war, und bei der das Motiv des Geldverdienens so wichtig ist wie das des Heilens.

Das Missbehagen, in eine Maschinerie zu geraten, ist groß. Es ist so verständlich wie das Verlangen, nicht alles wissen zu wollen, was statistisch kalkulierbar ist.

Das Recht auf Nichtwissen ist ehrbar. Genauso wie der Schritt und das Bekenntnis von Angelina Jolie.

 

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