AZ-Meinung Horst Seehofer, der Alleinherrscher

Horst Seehofer hat nicht auf Inhalte, sondern die Strahlkraft der eigenen Person gesetzt. AZ-Chefredakteur Arno Makowsky über das Ergebnis der Landtagswahl in Bayern.

München - In Bayern, so scheint es, gibt es doch eine heimliche Sehnsucht nach der Monarchie. Es lebe König Horst, der Alleinherrscher über Bayerns Wälder und Flure, über die CSU und alle ihre Spezln. Seehofers Wahlsieg ist so eindeutig wie beeindruckend, das geben auch alle Unterlegenen zu.

Er hat gezeigt, wie man heutzutage in der Politik zu etwas kommt: Ohne Programm, ohne Vision, aber mit der Pose eines gütigen Herrschers, einer präsidialen Attitüde, wie sie auch Angela Merkel pflegt.

Die wird den Sieg des Kollegen aus dem Süden wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Seehofers Strategie ist auch ihre: Die Wähler bloß nicht mit Themen und Inhalten verwirren, sondern voll auf die Strahlkraft der eigenen Person setzen. Nun ist es auch der Opposition in Bayern nicht gelungen, den lahmen Wahlkampf mit irgendwelchen wichtigen Inhalten aufzupeppen. Ein bisschen G8, Hochschulgebühren, Krippenplätze, eine fade „Schuldenbremse“, das war’s. Die Themen waren so langweilig, dass selbst solcher Unfug wie Seehofers Pkw-Maut für Ausländer für Schlagzeilen sorgte. Von der inhaltlichen Qualität her rangiert das gleich hinter Steinbrücks Stinkefinger.

Wofür die CSU heute überhaupt noch steht, weiß keiner so recht, und es ist den Wählern offenbar auch nicht so wichtig. 70 Prozent der Bayern, so haben die Wahlforscher ermittelt, sind mit der Wirtschaftslage des Landes zufrieden. Das bedeutet, sie wollen, dass alles möglichst so bleibt, wie es ist. Verwandtenaffäre, Themen-Anleihen bei den Sozis, Sticheleien gegen Kabinettskollegen – alles kein Problem.

Seehofer und die CSU wirken trotzdem sympathisch. Mit ihrem cleveren (und natürlich inhaltslosen) Werbespruch „Bayern. Das Land“ besetzt die Partei das schöne Bayernland – und macht es sich untertan. Dass dabei der konservative Markenkern längst verloren gegangen ist, fällt kaum jemandem auf.

Vor fünf Jahren, als die CSU mit der FDP zusammengehen musste, war überall Erleichterung zu spüren: Vorbei sei es mit der schwarzen Selbstherrlichkeit, auf den Liberalen ruhte die Hoffnung des Aufmuckens gegen die bräsige CSU. Diese Hoffnung haben sie nicht erfüllt. Abgesehen von gelegentlichen Operettenkriegen zwischen Martin Zeil und Horst Seehofer ist die FDP kaum aufgefallen. Insofern ist ihr Ausscheiden im Landtag gut zu verkraften. Einzige Ausnahme: der umtriebige Kunstminister Wolfgang Heubisch. Er hat viele richtige Entscheidungen getroffen und die Kultur in Bayern nach vorne gebracht. Traurig, dass sich ausgerechnet der fähigste Minister im Kabinett verabschieden muss.

Und Christian Ude? Vielleicht hätte er viel früher angreifen müssen. Nicht als Beinahe-Rentner, sondern als dynamischer Hoffnungsträger, auch als Oppositionsführer im Landtag. Jetzt bleibt ihm die Genugtuung, dass er für seine Partei nochmal in den Ring gestiegen ist. Das Ergebnis ist nicht toll, aber anerkennenswert. Eine Wende, wie er sagt, wird es trotzdem nicht bringen. Wenn es Ude nicht schafft, wer dann? Die CSU-Alleinherrscha

 

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