AZ-Meinung Günther Oettinger: Der Rundumschläger

"Er bedient Vorurteile – gegen die Länder und gegen die EU." Matthias Maus, der Chefreporter der AZ, über Günther Oettinger.

 

Vielleicht ist er ja zu einem großen Europäer geworden. Womöglich möchte er den Kontinent ja voranbringen. Dazu hätte Günther Oettinger als Energiekommissar und mächtigster Deutscher in Brüssel auch Gelegenheit. Mit seinem politischen Rundumschlag allerdings hat er seinem vorgeblichen Ziel keinen Dienst erwiesen. Seine Kritik ist grobschlächtig und destruktiv.

Er schmäht Länder als unregierbar, die sich die EU ins Boot geholt hat, wohl wissend um die Probleme, die dort herrschen. Rumänien und Bulgarien anschließend als hoffnungslose Fälle zu beschimpfen, in einem Atemzug mit Italien auch noch, das bestärkt nur populistische Vorurteile. Übrigens auch die in der Bevölkerung der geschmähten Länder gegen die abgehobenen EU-Bürokraten.

Und wie Oettinger darauf kommt, es herrsche Gutmenschentum in einem Kontinent, der seine Märkte und Grenzen mit fast allen Mitteln massiv abschottet gegen Zuwanderer und Waren – das bleibt sein Geheimnis. Da muss er sich ja auch nicht so gut auskennen, der Energiekommissar.

In seinem Fachgebiet hingegen, da ist Oettinger als Atom- und Fossil-Lobbyist unterwegs, dass es den Multis eine wahre Freude ist. Ausgerechnet der deutsche EU-Abgesandte in Europa lässt nichts aus, was der deutschen Energiewende schaden könnte. Hier wäre eigentlich das richtige Arbeitsfeld für den Mann, den Merkel einst loswerden wollte. Das hat nicht geklappt. Jetzt macht er uns allen Ärger.

 

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