AZ-Meinung Griechenland-Krise: Endstation Grexit!

Der Vize-Chefredakteur, Timo Lokoschat, über die Dauerkrise mit Griechenland, den Rücktritt von Finanzminister Varoufakis und den ehemaligen AfD-Chef Bernd Lucke.

 

München/Athen - „Seit fünf Jahren saugt er euer Blut!“, steht in roten Buchstaben auf den Wahlplakaten der Tsipras-Fraktion, die auch heute noch in Griechenland hängen – über einem Bild von Wolfgang Schäuble, auf dem er besonders finster dreinschaut. Offenbar handelt es sich beim deutschen Finanzminister um eine besondere Vampir-Spezies, eine, die ihr Opfer nicht aussaugt, sondern es befüllt: genauer gesagt mit fast 100 Milliarden Euro.

So viel hat Deutschland in den vergangenen Jahren in den griechischen Staat gepumpt (ja, auch in die Banken – sie gehören in einer Marktwirtschaft dazu, auch wenn dies den Sahra Wagenknechts dieser Republik nicht passt). Dieses Geld, und auch das anderer Geberländer, ist versickert. Weder wurde eine funktionierende Finanz- und Steuerverwaltung geschaffen noch in die marode Infrastruktur investiert.

Stattdessen hält das Land einen aberwitzig hohen Rüstungsetat aufrecht, akzeptiert, dass nur die Ehrlichsten der Ehrlichen überhaupt noch Steuern zahlen und verschont systematisch die Reichsten der Reichen. Würde hierzulande – oder in jedem anderen Euroland – die Bevölkerung per Referendum befragt, ob Milliarden auf Milliarden folgen sollen, fiele das „Nein“ wohl noch eindeutiger aus als in Griechenland.

Höher als die finanziellen Kosten sind allerdings die politischen: Lassen sich die Geberländer weiterhin von den Athener Polit-Clowns am Nasenring durch die Manege führen, erreicht die Politik- und Europaverdrossenheit ein Ausmaß, das zu Verwerfungen der politischen Landschaft führen wird. Am lautesten gejubelt haben am Sonntagabend die Links- und Rechtsradikalen in Ländern wie Spanien und Portugal: Hat der griechische Sonderweg Erfolg, werden ihnen die Wähler in Scharen zulaufen. Und dann wäre wirklich Feuer unterm EU-Dach ...

Hierzulande kann die Große Koalition mitsamt der ebenfalls spendablen Oppositionsparteien froh sein, dass die so genannte „Alternative für Deutschland“ mit Bernd Lucke ihren prominentesten Eurokritiker ausgerechnet an diesem Wochenende abgesägt hat und stattdessen lieber im Pegida-Milieu auf Stimmenfang geht – für den Wirtschaftswissenschaftler wäre das absurde Rettungstheater eine Steilvorlage gewesen.

Immer mehr Kollegen seiner Zunft sind ohnehin der Meinung, dass ein „Grexit“ nicht nur keine Katastrophe wäre, sondern letztlich die einzige Chance, um Griechenland mittelfristig wieder wettbewerbsfähig zu machen. Um dieses Szenario herbeizuführen, müssten die EU-Granden allerdings Konsequenz walten lassen. Heißt: Ohne Reformen fließt kein Euro mehr. Kein fauler Kompromiss wie unzählige Male zuvor.

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Bleibt Tsipras bei der starrköpfigen Haltung und die EU hart, wird Griechenland die Eurozone verlassen. Ohne Rausschmiss, ohne Austritt, sondern schlicht und einfach, weil kein Euro mehr da ist. Für Deutschland verschmerzbar. Verloren ist das Geld ohnehin. Oder glaubt ernsthaft noch irgendjemand, dass Athen die Milliarden irgendwann brav zurückzahlt?

Als „Terroristen“ hat Varoufakis – der eitle Populist, der vor dem Elend den Absprung geschafft hat – die Geldgeber bezeichnet und damit jene, die das Land seit Jahren über Wasser halten, mit den Mördern des Islamischen Staates moralisch auf eine Stufe gestellt. Die Zumutung, sich von „Terroristen“ helfen zu lassen, sollte man der Regierung künftig ersparen.

 

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