AZ-Meinung Europawahl: Wählen gehen!

Der AZ-Chefreporter Matthias Maus über Europa und die Wahlen an diesem Sonntag.

 

München - Nichts ist mehr in Mode als Skepsis über Europa. Fast jedem fällt sofort etwas ein, das zu kritisieren wäre an diesem komischen Konstrukt EU. Was liegt da näher, als es diesem gern so genannten „Moloch“ einmal zu zeigen und – einfach nichts zu tun? Nicht zum Wählen gehen als Form des Protests. Was für eine Versuchung. Was für ein Irrweg!

Es geht um viel an diesem Wochenende, und 400 Millionen Menschen können Weichen stellen. Wird das Europäische Parlament zu einer lächerlichen Schwatzbude degradiert, oder wollen wir es stärken? Das klappt umso besser, je mehr Menschen zu diesen Wahlen gehen. Oft wird die undurchsichtige Machtstruktur in der EU kritisiert. Hinterzimmer-Mauschelei wird umso unmoralischer, je mehr Menschen sich am demokratischen Prozess beteiligen. Wer nicht wählt, stärkt Irrationale und Irre, Nationalisten und Nassauer.

Ja, die EU ist fehlerhaft und voller Makel. Aber nichts wäre schlimmer als die Alternative: einen Rückfall in einen Nationalismus, der dem Kontinent im 20. Jahrhundert nichts gebracht hat als Tod und Krieg. Das Wahlrecht adelt Menschen zu mündigen Bürgern. Milliarden auf der Welt beneiden uns darum.

Nächste Woche werden alle 751 Plätze im EU-Parlament besetzt sein. Wir entscheiden, wer sich dort breit macht. Und wir sollten uns diese Gelegenheit nicht entgehen lassen.

 

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