AZ-Meinung Eine Zumutung

Der Vize-Chefredakteur Georg Thanscheidt über den Wohnungsbau in München.

 

Sehenden Auges in die Wohnungs-Katastrophe: Dass alle Münchner Oberbürgermeister seit dem seligen Erich Kiesl angesichts wachsenden Bedarfs viel zu wenig für den Wohnungsbau getan haben, lässt sich leicht an Münchner Zahlen und Quadratmeterpreisen ablesen und ist für sich genommen schon schlimm genug. Dass aber jetzt im Planungsausschusses des Stadtrats ein Beschluss-Entwurf vorgelegt wird, in dem vorgerechnet wird, dass das auch in Zukunft so bleiben wird, wäre fast zum Lachen – wenn es nicht so traurig wäre.

Der Reihe nach: München wächst nicht nur – nein, es platzt aus allen Nähten. Das hat vermutlich auch der Stadtrat mitbekommen. Wenn nicht, wurde es ihm gestern schwarz auf weiß vorgelegt: Bis 2030 fehlen in München 122.000 Wohnungen. Zeit für einen Plan – aber dafür ist der Planungsausschuss ja vermutlich auch da: 380000 neue Wohnungen halten Gutachter für möglich. Das erscheint wirklich etwas hochgegriffen – vor allem, wenn man die Abneigung Münchner Häuslebesitzer gegen Nachverdichtungen und die fehlende Bereitschaft von Politikern aller Coleur, sich damit auseinanderzusetzen, kennt. Also rechnet die Stadt noch mal nach und kommt auf höchstens 78.000 Wohnungen, die bis 2030 neu gebaut werden können. Das sind zwar 44.000 weniger als benötigt, aber das scheint in diesem Gremium kaum jemanden zu stören.

Politiker, die den Bürgern nichts mehr zumuten wollen, sind echt eine Zumutung.

 

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