AZ-Meinung Eigentum verpflichtet

„Offshore“, weit weg von der Zivilisation mit ihren Finanzämtern schicken Reiche und Superreiche ihre Millionen. Samoa mit seinen Palmenstränden ist eines dieser Steuerparadiese. Foto: dpa

Die AZ-Landtagskorrespondentin Angela Böhm über die Steuertricks der Reichen

 

Die Reichen sind wirklich arm dran. Da müssen sie Tag für Tag schuften, um ihr schönes Vermögen zu vermehren. Von dem soll natürlich keiner was abbekommen. Am wenigsten das böse Finanzamt. Dafür machen sie sich abhängig von Finanzberater–Armeen.

Die liegen weltweit auf der Lauer, um jedes nur erdenkliche Steuerschlupfloch selbst auf der kleinsten Insel aufzuspüren. Sie gründen Firmen wie am Fließband, um ein möglichst verworrenes Tarnnetz über den Globus zuspannen. Damit auch wirklich keiner mehr nachvollziehen kann, wo sie ihren letzten Cent in Sicherheit gebracht haben. Man weiß ja nie, für was man den mal braucht.

Dabei steht in unserem Grundgesetz in Artikel 14 Absatz 2 klipp und klar: „Eigentum verpflichtet.“ Der Gedanke der Solidargemeinschaft aller in der Bundesrepublik lebenden Menschen sollte damit festgeschrieben werden.

Davon aber hat sich mancher Millionen-Verdiener längst verabschiedet. Ausgepresst wird dafür die Mittelschicht, die inzwischen die ganze Last der Republik tragen muss und keine Möglichkeit hat, ihren Otto-Normal-Verdienst steuersparend auf den Jungferninseln zu bunkern. Ein Platz im Steuerparadies ist ihr verwehrt.

Bei aller Wut – zumindest ein Trost bleibt den braven Steuerzahlern: Die Erkenntnis, dass viel Geld nicht unbedingt glücklich macht. Und Gesundheit am Ende doch nicht käuflich ist. Auch dafür sind Gunter Sachs & Co. ein trauriges Beispiel.

 

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