AZ-Meinung Die Verlierer

Die Krise ist in den Geldbeuteln angekommen - vor allem Arbeiter und Angestellte verlieren real an Kaufkraft (Archivbild). Foto: Michael Gottschalk/ddp/dapd

Der Vize-Chefredakteur Georg Thanscheidt über Löhne und Inflation in Deutschland 

 

Jetzt wird’s eng: Trotz guter Arbeitsmarktzahlen und vergleichsweise noch hoher Nachfrage bekommen die Deutschen die Krise immer stärker im Geldbeutel zu spüren. Zwar sind die Löhne in den letzten zwölf Monaten mit durchschnittlich drei Prozent recht deutlich gestiegen. Allerdings zieht die Inflation auch an, so dass real lediglich 0,6 Prozent übrig bleiben – der geringste Anstieg seit fast zwei Jahren.

Bei genauerer Betrachtung zeigen diese Zahlen zweierlei: Zum einen gibt es viele Arbeiter und Angestellte, die real sogar Kaufkraft verlieren. Und das sind oft diejenigen, die eh schon am Ende der Lohnskala liegen. Während zum Beispiel in der Auto- und Chemie-Industrie das reale Plus immer noch bei 1,8 Prozent liegt (und zuvor mehr als 4 Prozent betragen hatte), können sich die Arbeiter in Verkehrsbetrieben, dem Gastgewerbe oder im Handel im dritten Quartal 2011 von ihrem Gehalt weniger kaufen als ein Jahr zuvor.

Zum zweiten sind die Tarifabschlüsse für die Euro-Ära im Moment schon relativ hoch – stärkere Zuwächse könnten die Preise für Exporte in den Nicht-Euro-Raum verteuern. Das eigentliche Problem ist also die Inflation. Und die könnte künftig zu einem noch größeren Problem werden: Die Europäische Zentralbank flutet gerade die Märkte mit „billigem“ Geld und hat Anleihen von Krisen-Staaten gekauft – das könnte die Geldentwertung noch beschleunigen. Vermögende können sich in Sachwerte flüchten. Das können Trambahnfahrer, Kellner oder Lageristen nicht – sie verlieren also doppelt.

 

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