AZ-Meinung Die Presse im Hoeneß-Prozess: Gute Arbeit!

Es war ein Hamburger Journalist des "stern", der den Fall Uli Hoeneß ans Licht brachte. Foto: dpa

Dafür werden wir nicht geliebt, aber gebraucht. Der Vize-Chefredakteur Georg Thanscheidt über die Rolle der Presse im Hoeneß-Prozess.

 

Ulrich Hoeneß hat seinen Steuer-Betrug vor Gericht eingeräumt. Damit ist eine der zentralen Fragen in diesem Prozess geklärt. Viele andere warten aber noch auf Klärung: die Frage, wie viel Geld er tatsächlich hinterzogen hat zum Beispiel. Oder die Frage, aus welchen Quellen es Zuflüsse auf das Konto gegeben hat. Eine weitere entscheidende Frage ist allerdings in meinen Augen schon am ersten Prozess-Tag beantwortet worden – und die lautet: Warum steht der Präsident des FC Bayern überhaupt vor Gericht?

Damit meine ich nicht die Frage, was genau ihm zur Last gelegt wird. Sondern die Frage, wie die eingeräumten Straftaten überhaupt Gegenstand von Ermittlungen wurden. Und hier ist anzumerken: Dies ist nur passiert, weil ein Hamburger Journalist seinen Job gemacht hat. Das wurde im Sitzungssaal 134 des Justizpalastes überdeutlich.

Es war Johannes Röhrig vom „Stern“, der erst überprüfte, ob die Geschäfte auf dem Nummernkonto strafrechtlich relevant sein könnten und dann mit der Steuerfahndung in Kontakt trat. Hoeneß erfuhr von den Recherchen, erstattete Selbstanzeige. Oder wie sein Anwalt es formulierte: „Da gingen Ihnen die Gäule durch!“

Solche Pferde scheu zu machen, ist und bleibt die wichtigste und vornehmste Aufgabe der Presse. Dafür werden wir nicht geliebt, aber gebraucht. Denn – das sieht auch der Bundesgerichtshof so – ein Steuerbetrug dieses Ausmaßes gehört öffentlich verhandelt. Das war gute Arbeit, Herr Röhrig!

 

5 Kommentare