AZ-Meinung Die nächste Mission

Der Vize-Chefredakteur der AZ Georg Thanscheidt über die Welt nach Osamas Tod.

 

„Mission accomplished“ – Mission erfüllt. US-Präsident George W. Bush hat diesen Satz am 1. Mai 2003 fälschlicherweise von einem Flugzeugträger in die Welt hinausgeprahlt. Auf den Tag genau acht Jahre später hat Barack Obama den leeren Worten von Bush Taten folgen lassen: Osama bin Laden wurde von US-Soldaten in Pakistan exekutiert. Nun ist seine, ist Amerikas Mission erfüllt – der Rachefeldzug, der gespickt war mit politischen Lügen und militärischen Fehleinschätzungen, beendet.

Die Genugtuung, die sich in Amerika breit macht, ist verständlich, auch wenn sie die Menschen in „old europe“ zuweilen schaudern lässt. Aber es stimmt ja: Der Tod bin Ladens eröffnet die Chance auf eine bessere, eine friedlichere Welt. Eine Welt mit weniger Angst vor Terror. Ein Jahrzehnt lang hat Furcht und die daraus resultierenden Sicherheitsvorkehrungen die Menschen und ihr Handeln gelähmt – nun eröffnen sich Spielräume in politischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht. Friedensdividende nennen Experten das.

Die Gefahr, die vom islamistischen Terror ausgeht, ist sicher nicht dauerhaft gebannt. Vorsicht ist angebracht – strategisch kluges Handeln aber auch. Obama hat den Muslimen vor zwei Jahren in Kairo den Dialog angeboten, zugleich aber auch Gesprächsbereitschaft eingefordert. Das ist der richtige Weg, den Terror dauerhaft zu besiegen. Wandel durch Handel kann ein Schlüssel sein, Verständnis durch Dialog ein anderer. Das ist die Mission für das nächste Jahrzehnt.

 

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