AZ-Meinung Der Schul-Skandal

"Die Stadt bittet um Geduld – für viele Schulen klingt das wie Hohn" Foto: ho

Der AZ-Redakteur Michael Heinrichüber marode Schulen.

 

„Bei der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix.“ So prangerten Demonstranten schon in den späten 60-er und den 70-er Jahren die ungerechte Verteilung der Steuergelder an. Schulen und Universitäten waren überfüllt und schlecht ausgestattet – hat sich daran so viel geändert?

Wenn man liest, wie viel Geld aktuell für fehlgeschlagene Drohnen- und Hubschrauber-Beschaffungen verpulvert wurde, wie viel Banken in den Rachen geworfen wird, können Schülern, Eltern und Lehrern nur die Augen tränen. Mit nur einem Bruchteil dieses in den Sand gesetzten Geldes könnten tausende von maroden Schulgebäuden menschenwürdig saniert werden. Zum Beispiel in München. Wer einmal die Gelegenheit hatte, den Blick in eine Toilette in einem betroffenen städtischen Schulgebäude zu werfen, wird sich mit Würgen wenden. Nein, nicht die von schlampigen oder mutwilligen Schülern verursachten Bagatellschäden sind gemeint, sondern jahrzehntelang nicht renovierte Örtlichkeiten: abblätternder Putz, Schimmel an den Wänden, gesprungene Becken und tropfende Hähne.

Doch was macht die Stadt? Sie redet von fehlenden Mitteln, schwierigen Genehmigungsverfahren, langem Planungsbedarf und bittet um „Geduld“. Das ist für manche Schulen, die schon seit zehn Jahren und mehr auf eine Sanierung warten, ein Hohn. Weil sie die Schulsanierungen jahrelang verpennt hat, ist jetzt natürlich ein großer Stau da. Aber dafür können die Leidtragenden nix.

 

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