AZ-Meinung Böse Erinnerungen

Matthias Maus, Chefreporter der AZ, über die Erkenntnisse der Neonazi-Jäger.

 

Die Bilder wecken Erinnerungen. Die rot umrandeten Fahndungs-Plakate, mit Gesichtern, mit furchterregenden Waffen, sie führen zurück in dunkle Zeiten, als das Land Angst vor dem RAF-Terror hatte. Diese Angst ist heute mindestens so begründet wie vor Jahrzehnten. Die Neonazi-Killer wussten, was sie taten. Sie überließen nichts dem Zufall, sie wählten schutzlose Opfer, sie hielten sich nicht mit Bekennerschreiben auf, sie waren nicht isoliert.

Die Erkenntnisse, die der Generalbundesanwalt und der Chef des Bundeskriminalamts veröffentlichten, lassen erschaudern. Da waren keine tumben Heißsporne am Werk, es gab Logistik, kriminelle Energie und – kaum noch zu bestreiten – ein funktionierendes Netzwerk von Unterstützern, das die Mörder nicht fallen ließ. Der Auftritt der beiden wichtigsten Ermittler und Strafverfolger lässt zumindest erkennen, dass der Ernst der Lage endlich erkannt wird.

Aber es bleiben Fragen: Man wüsste gern, ob dieses braune Netzwerk über ein Jahrzehnt wirklich keine einzige wertige Information preisgab, die den V-Leuten im Neonazi-Sumpf berichtenswert war. Warum brauchte es die Mordserie, um mehr als 1000 alte Fälle wieder in die Öffentlichkeit zu holen? Reichen dafür 420 Beamte und zehn Staatsanwälte aus? Und wie lange müssen wir noch warten, bis die NPD-Kader die Bürgerlichkeit, die sie so sehr brauchen und wünschen, durch ein Verbot endlich verlieren?

 

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