AZ-Meinung Ach, Italien

Die Politik-Redakteurin Anja Timmermann über die Regierungskrise in Italien

 

In einem Punkt ist Peer Steinbrücks Kommentar, in Italien seien zwei Clowns gewählt worden, nun widerlegt: Clowns wären wenigstens lustig. Was in Italien gerade abläuft, ist nur noch ein Trauerspiel. Ein Lieblingsland der Deutschen, innig geliebt für seine Küche, bewundert für seine Lässigkeit (und respektiert für seine fußballerischen Künste) wird zum mitleiderregenden Sorgenkind.

Es war eine schleichende Entwicklung: Der gefährliche Geck Silvio Berlusconi hat nicht nur das Land durch seine Sex-Affären unterhalten, sondern auch seine Wirtschaft ruiniert. Sie stagniert seit Jahren, die Schulden sind ebenso gewachsen wie die Arbeitslosigkeit.

Aber jetzt wird es ernst. Der gestern einberufene Expertenrat soll ein bisschen Zeit kaufen, aber eine Regierung für das blockierte Land kann er nicht ersetzen. Woher soll sie kommen? Der Linke Bersani hat keine Mehrheit. Mit Berlusconi, der nur zurück an die Macht drängt, um sich vor der Justiz zu schützen, will er nicht regieren. Und Beppe Grillo will nicht mit ihm regieren.

Der trägt lieber gerade seinen persönlichen Groll auf dem Rücken eines ganzen Landes aus. Grillo fände das Programm von Bersani zwar gut, aber man wisse ja, dass alle Politiker blöd sind und ihre Vorhaben nie umsetzen, deswegen lässt er lieber alles an die Wand fahren.

Im EU-Armutsbericht ist Italien hinter Portugal und Polen zurückgefallen. Ein Wille, das zu ändern, ist in Rom nicht erkennbar. Nur: Wenn Italien strauchelt, wird es richtig ernst für die Euro-Zone.

 

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