AZ-Meinung Absurd

Wird bei Müller-Brot der Bock zum Bäcker gemacht? Der Vize-Chefredakteur der AZ Georg Thanscheidt über Müller-Brot und Schlecker-Pleite. Foto: dpa/Beelitz
 

Tausende werden entlassen – der Aktienkurs steigt. Der Euro taumelt – an der Börse gibt es ein Kursfeuerwerk. Die Amis sind verschuldet wie nie – und Südeuropas Staaten bekommen keinen Kredit mehr. An solche auf den ersten Blick absurde Nachrichten aus der Wirtschafts-Welt haben wir uns mittlerweile gewöhnt – und verstehen sie nur noch mit viel Mühe und gutem Willen.

Was sich aber gestern im Freistaat abgespielt hat, ist an Absurdität nicht mehr zu überbieten – und dafür muss man auch kein Verständnis mehr aufbringen: Der bisherige Müller-Brot-Chef Klaus-Dieter Ostendorf, unter dessen Verantwortlichkeit gravierende hygienische Mängel auftraten, hat von den Gläubigern grünes Licht für die Sanierung des Unternehmens bekommen.

Er wird bis 680 Mitarbeiter entlassen und sich schwer tun, die Firma aus der selbstverschuldeten Krise zu führen. Hier, so ist zu befürchten, wurde der Bock zum Bäcker gemacht. Die zweite Absurdität aus der Wirtschafts-Welt: Die Auffanglösung für 10000 Schlecker-Beschäftigte scheitert an Bayerns FDP. Es gibt durchaus gute sachliche Gründe, eine Transfergesellschaft abzulehnen.

Darum geht es aber der FDP gar nicht: Wirtschaftsminister Zeil will sich und seine Partei so zum Gralshüter der Marktwirtschaft stilisieren. Auf dem Altar dieser Ideologie opfert er die – auf ein halbes Jahr befristete – Unterstützung für die Angestellten. Die demokratisch gewollte Hilfe scheitert also an einer liberalen Splitterpartei. Das ist sogar mehr als absurd, das ist abstoßend.

 

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