AZ-Kritik zum TV-Krimi "Wir kriegen Euch alle": So war der Tatort aus München

Die Kinderpsychologin Jenschura (Anne Werner) bespricht sich mit Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl, li.) und Ivo Batic (Miroslav Nemec). Foto: Hendrik Heiden/BR/dpa

Der 80. Fall der Münchner Tatort-Kommissare handelt von Kindesmissbrauch den Folgen für die Opfer. Vorsicht Spoiler.

München - Was hätte beim achtzigsten Fall von Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Batic (Miroslav Nemec) nicht alles schief gehen können: Der Film handelt von Kindesmissbrauch und dessen lebenslangen Folgen für die Opfer – nutzt aber deren Leid nicht billig aus, um den Zuschauer zu emotionalisieren. Der Tatort handelt außerdem von Selbstjustiz – erspart dem Zuschauer aber philosophische Exkurse zu dem Thema und lässt sich unmöglich als Plädoyer dafür missverstehen, obwohl man Empathie für den Mörder entwickelt.

Der Tatort "Wir kriegen Euch alle" ist auch nicht so gruselig, wie der Anfang mit killendem Weihnachtsmann und sprechender Puppe vermuten lässt. Vielmehr erzählt der Krimi recht geradlinig vom Mitglied einer Selbsthilfegruppe, das Eltern tötet, die ihre Kinder missbrauchen. Der Zuschauer weiß bald, wer hier gegen wen kämpft – doch dann nimmt der Film gegen Ende eine sehr überraschende Wendung, als sich ein eiskalter, habgieriger Psychokiller samt Psychobraut als Drahtzieher hinter dem Rachefeldzug entpuppt.

Ein gelungener Jubiläumstatort

Dass diese Wendung überkonstruiert ist, dass ein Monster das ernste Thema kapert: Das ist ebenso zu verschmerzen wie manche Schwäche des Films. Einige Szenen geraten hölzern, etwa wenn Leitmayr bei einem Missbrauch live mithört. Auch wird nicht klar, wie die Mitglieder der Selbsthilfegruppe die Kinder überhaupt ausfindig macht, die sie schützen wollen. Und als das mörderische Au-pair-Mädchen am Ende aus dem Fenster stürzt, nur weil sich ein Regenschirm öffnet: Das sieht nicht gerade nach Hollywood aus.

Alles in allem aber ist "Wir kriegen Euch alle" ein gelungener Tatort, und der Zuschauer lernt auch noch "Smart Toys" kennen, spukige Puppen, mit denen Erwachsene via Internet zu Kindern sprechen und diese belauschen können. In Deutschland wurde eine solche Puppe, "My Friend Cayla", im vergangenen Jahr von der Bundesnetzagentur als Spionagegerät verboten, in Österreich nicht. Da kann man darüber hinwegblicken, dass sich Batic und Leitmayr etwas platt über das Nachbarland lustig machen.

 

3 Kommentare

Kommentieren

  1. null