AZ-Kritik Kölner "Tatort: Familien" – Zerschnittene Bande

Ivo Klein überlebt seinen eigenen Junggesellenabschied nicht. Der Auftakt zu einem verworrenen Entführungsfall. Foto: Das Erste

Der neue Kölner Tatort "Familien" liefert klassisches Krimi-Handwerk und weiß damit gut zu unterhalten. Nur die Auflösung lässt etwas zu wünschen übrig.

Als die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) zu einem tödlichen Verkehrsunfall mit Unfallflucht gerufen werden, klingt zunächst alles nach Routine. Doch die Tasche mit 500.000 Euro Bargeld neben dem Opfer lässt schnell erahnen, dass hier doch nicht alles so simpel ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Tatsächlich stolpern Ballauf und Bär schnell in ein verwirrendes Familiengeflecht und eine Entführung.

Die fieberhafte Suche nach dem Entführer der 19-jährigen Charlotte Ritter gestaltet sich dabei alles andere als einfach, denn offenbar ist Lügen das einzig verbindende Element einer ansonsten völlig kaputten Familie. Dass die Ermittlungen in diesem Fall die ansonsten eigentlich intakte Ehe von Freddy Schenk bis zur Zerreisprobe strapazieren, mutet da wie Ironie des Schicksals an. Und auch im Büro fordert die langwierige Fahndung ihren Tribut: Der neue Kollege Norbert wird von Ballauf und Schenk so sehr mit Arbeit überhäuft, dass man sich fast schon genötigt fühlt, eine "Free Jütte"-Kampagne ins Leben zu rufen.

Die Auflösung enttäuscht, die Darsteller brillieren

Das Drehbuch von Christoph Wortberg erzählt diese Geschichte gemächlich, fast schon zu gemächlich. Der 90 Minuten lange Fall hätte so auch gut bei CSI stattfinden können – und gut in das 45-minütige Format gepasst. Erst zum Ende hin zieht das Tempo an, plötzlich gibt es eine Prügelei, eine Verfolgungsjagd und merkwürdige Wendungen. Sinnbildlich für die gesamte Folge steht dabei die Verlobte des Todesopfers Ivo Klein: Zunächst nimmt sie die Nachricht vom Tod des Vaters ihres gemeinsamen kleinen Kindes fast apathisch auf, später, als der einleitende Mord angesichts des Entführungsfalls beinahe schon in Vergessen geraten ist, erleidet sie plötzlich einen dramatischen emotionalen Zusammenbruch.

Und genau das ist auch das Problem der gesamten Folge: Die Auflösung kommt urplötzlich und die Geschichte hinter der Entführung entpuppt sich als so hanebüchen, dass sie so nur im Kopf eines Drehbuchautors und nicht in der Realität entstanden sein kann. Dass der Tatort dennoch recht gut funktioniert, liegt an dem durchweg sehr guten Cast, der die Unzulänglichkeiten des Drehbuchs größtenteils überspielen kann.

 

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