AZ-Kritik "Das Adlon" im ZDF: Es bleibt nichts hängen

Szenen aus "Das Adlon. Eine Familiensaga" Foto: Stephanie Kulbach/ZDF

Der ZDF-Dreiteiler „Das Adlon – Eine Familiensaga“ fesselte auch mit dem letzten Teil über 8 Millionen Zuschauer – hier beurteilt TV-Kritikerin Ponkie den Film

 

Vom Kaiserreich über die Nazi-Diktatur ins Nachkriegs-Chaos: Im dritten Teil dieser halb-fiktiven deutschen Hotelgeschichte wurde nun jeder von seiner Vergangenheit eingeholt, und die Hauptfiguren bekamen noch einmal das gesamte Repertoire an Familienschicksal übergestülpt: Die Olympia-Verlogenheit im Berlin von 1936, vom Gigolo-Tanztee im Adlon zur NS-Speisekarten-Eindeutschung mit Hitlergruß-Peinlichkeit.

Die Salon-Nazis im Anpassungstraining und das große Sentimental-Finale von Trennung und Wiederkehr, mit Aufdeckung der Alt-Intrigen und Jugendgeheimnisse. Da hat Jürgen Vogel als NS-Kriegsverbrecher noch seinen großen Enthüllungsauftritt mit Josefine Preuß als Hotel-Erbin.

Heino Ferch und Marie Bäumer als Die Adlons entschwinden in einer Gutsherrentragödie, als die Russen kommen, und Johann von Bülow als der opportunistische Mitläufer wird von der Israel-Generation seines Rivalen (Ken Duken) überrollt: Die Familiensaga löst sich auf in ein assoziatives Rührstück.

Der Zeitgenosse findet seine Aha-Erlebnisse, etwa den jungen Billy Wilder als Gigolo-Reporter im Adlon, oder er rechnet sich aus, welchen Nazi die Kutschertochter (Katarina Wackernagel) wohl geheiratet hat: ein Sippenhaftungs-Puzzle quer durch ein Realkulissen-Panorama im zerbombten Berlin. Derlei hat Unterhaltungsqualität – aber es bleibt nichts Bedeutendes hängen. Ein Dekorationsstück der deutschen TV-Ästhetik.

 

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