AZ-Konzertkritik Volle Kraft nach vorn: Die Toten Hosen in der Olympiahalle

Stimme hin oder her - Campino gibt Vollgas. Die Bilder vom Konzert der Toten Hosen in der Münchner Olympiahalle. Foto: Jens Niering

Wie alt sind die noch mal? Die Toten Hosen kapern die Olympiahalle für zweieinhalb Stunden volle Power - die AZ-Konzert-Kritik. 

Es ist ein seltsames Zeitphänomen: Während Campino und seine Mannen inzwischen 35 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel tragen, bleibt die große Horde der ekstatisch pogenden Toten-Hosen-Fans vor der Bühne konstant um die 20 Jahre.

Die Fans der ersten Stunden haben sich in der ausverkauften Olympiahalle auf die Ränge verzogen im "Bis zum bitteren Ende"-Band-T-Shirt, das allmählich erschreckend zur Gesamtphysis passt. Textsicher aber sind alle drei Generationen Hosen-Fans, die Campino in charismatischer Bühnenherrschaft vom Opener "Zurück auf dem Bolzplatz" bis zum letzten Takt vereint. Mag sein, dass mancher Song der letzten Jahre auf dem Album schon ein wenig nach Schlager klingt, aber die Hosen waren immer in erster Linie eine Liveband – und so kennt dieser Abend vor allem eine Richtung: Volle Kraft nach vorn.

Für die Toten Hosen ist München kein Auswärtsspiel

Erster Höhepunkt ist das "Liebeslied", das auch schon 30 Jahre auf dem Buckel hat. Und weil die Hosen mit dem Älterwerden kein Problem haben, laden sie bei "Wie viele Jahre (Hasta la muerte)" zur selbstironischen Diashow mit Bildern aus der langen Bandgeschichte.

Irgendwo auf dieser langen Tournee ist Campinos Stimme auf der Strecke geblieben, nicht aber die seit Bandgründung in Stein gemeißelte politische Haltung: Mit "Willkommen in Deutschland" beschwört die Band ihr Credo gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus, dann wird es Zeit, die Freunde auf die Bühne zu holen, denn ein Hosen-Konzert ist auch immer eine Wundertüte. Mit dabei sind diesmal ein paar russische Streicher, die nicht nur Mozarts "Kleine Nachtmusik" sondern auch auch ein passables "Highway To Hell" inszenieren und natürlich die Well-Brüder, Freunde aus Urzeiten. München ist kein Auswärtsspiel, auch wenn Campino sich nicht mehr erinnern kann, wann und wo die Band zum ersten Mal (1982?) den Versuch zur Eroberung Süddeutschlands unternahm.

Die Olympiahalle haben sie längst gekapert, als im letzten Drittel des Konzerts alle, aber wirklich alle Gassenhauer mit Bommerlunder und Jägermeister an Tagen wie diesen von der Opelgang aufgetischt werden.

Um 23:40 Uhr, zum allerletzten Aufbäumen von "Azzurro", wälzt sich Campino auf dem Bühnenboden. Alles zu geben, war schon immer das Motto der Hosen, die wieder eindrucksvoll bewiesen haben, warum sie – neben Rammstein – der einzige deutsche Liveact sind, dem auf Festivals die Hauptrolle zugetraut wird.


Die Toten Hosen spielen am 10. Juni 2018 beim Rockavaria auf dem Königsplatz

Tags zuvor war Marius Müller-Westernhagen in der Olympiahalle zu Gast - die Konzertkritik finden Sie hier!

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