AZ-Konzertkritik Udo Lindenberg in der Olympiahalle: Der Greis ist heiß!

Udo Lindenberg beim Tournee-Auftakt in der Veltins-Arena auf Schalke. Foto: dpa

Udo im Wunderland - anders lässt sich die opulente Multimedia-Show, die zwei Tage lang die Olympiahalle ausverkauft hat, wohl kaum beschreiben.

 

München - Ein fast irrsinniges Aufgebot an Soundtechnik, optischen Spielen aller Art, Videos, Comics, Fotomontagen, Film-Schätzen aus Udo Lindenbergs Privat-Archiv, und vor allem einem Personal-Aufwand, wie man ihn so schon lange nicht mehr erlebt hat: Neben dem Panik-Orchester mit alten Recken der ersten Stunde plus Verstärkung noch drei hervorragende Co-Sängerinnen, zwei Rapper, Artisten, Akrobaten, jede Menge Background-Vocalisten und ein Heer von Kindern alias Lindenzwergen in verschiedenen Verkleidungen.  

Dass Udo Lindenberg gegen Schluss des Konzerts abhebt und das Weltall erobert, versteht sich bei so viel Supershow fast von selbst. Denn anders wäre eine Steigerung nicht mehr möglich gewesen.

Natürlich liegt bei solchen Spektakeln die Gefahr der Reizüberflutung gefährlich nah, denn man weiß stellenweise schon überhaupt nicht mehr, auf was man sich gerade konzentrieren soll. Doch Lindenberg und seine Mitstreiter sind Profis genug, immer wieder gekonnt Ruhepunkt einzubauen, meist in Form von großen Balladen wie "Gegen die Strömung" im Duett mit Josephin Busch oder auch dem unvergesslichen "Horizont", hinter dem es weiter geht und immer weiter. Weil wir zusammen stark sind. Und alle singen ergriffen mit.

Dann natürlich politische Statements in "Sie brauchen keinen Führer" gegen Neonazis, "Bunte Republik Deutschland" für Vielfalt, und der unvergessene "Sonderzug nach Pankow", der im Lauf der Geschichte schon längst über sein Ziel hinausgeschossen ist. Aber ohne den eine Retrospektive natürlich unvollständig wäre.

Eine non-stop Power-Show - dem Alter zum Trotz

Also Udo for President? Nun ja, man merkt schon, dass er mit 70 nicht mehr der allerjüngste ist. Aber wie er sich ins Zeug legt, auf die Bühne schmeißt, jede Sekunde lang präsent ist, das verdient schon unsere Bewunderung. Zumal er seinem Körper über all die Jahre nicht unbedingt immer nur Gutes angetan hat. Wofür er ihm den Song "Mein Body und ich" widmet und fluchs den "Club der Hundertjährigen" gründet. Na also.

Mit ihm die alten Haudegen von früher: Gitarrist Steffi Stefan, Drummer Bertram Engel, Keyboarder Jean-Jaques Kravetz, die mit jeder Menge Co-Musikern agieren, vor allem mit Heerscharen von Bläsersätzen, und den alten Gassenhauern neues Leben einhauchen: "Honky Tonky Show" für Partytiger, "Bodo Ballermann" für alle Fußball-Fans, "Johnny Controlletti" für Möchtegern-Mafiosi, "Andrea Doria" für Nostalgiker und "Gerhard Gösebrecht" für alle, die an Ufos glauben. Zumal auf einmal ein solches durch die Halle schwebt und auf dem Steg in die Arena ein paar sexy Aliens aussteigen lässt.

Lindenberg selbst zieht es auch in die Lüfte. In einer Art offenem Käfig schwebt er über seine Fans, nimmt deren Huldigungen entgegen, lässt sich dann gegen Konzertende in einen Raumanzug stecken und hebt völlig ab. Ein weiterer Show-Gag? Oder eine Aufgabe für die nächste Sitzung beim Therapeuten?

Was auch immer: Der Greis ist heiß!

 

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