AZ-Konzertkritik The Prodigy im Zenith: "Psychosomatic, addict, insane"

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
The Prodigy, hier bei einem Auftritt auf dem Incheon Pentaport Rock Festival 2015. Foto: dpa

Te Prodigy spilten am Samstagabend im Zenith. Die Band sieht immer noch so aus wie in den 90er - und beherrscht ihr Handwerk ebenfalls nach wie vor. Lediglich die Zugabe enttäucht. Die AZ-Kritik.

 

München - Ob (Ex-)Rocker, (Ex-)Raver, oder (Ex-)-Hip-Hopper, auf eine Band können sie sich alle einigen: The Prodigy. So ist's ein wilder Haufen, der am Samstagabend ins ausverkaufte Zenith kommt, um zu eskalieren. Denn um nicht weniger geht’s bei einem Prodigy-Konzert.

Dafür nehmen die meist männlichen Fans lange Anfahrtswege in Kauf: Tschechien, Kroatien, Österreich, kurz Europa ist hier vereint in einer über 25 Jahre währenden Wut auf was-auch-immer, festgehalten in hoch gepitchten Hip-Hop-Beats und brachialen Gitarrenriffs. "Psychosomatic, addict, insane", geben Prodigy mit "Breathe" die Marschrichtung des Abends vor und München und die angereisten Gäste gehen mit.

Keith Flint - der mit den Stachelhaaren - einem Horror-Harlekin gleich, brüllt einzelne aus dem Publikum mit PsychosomaticAddictInsane-Blick an, wechselt von starren Posen in ekstatisches Tanzen und tigert bei "Smack my Bitch up" Selbstgespräche führend über die Bühne. Maxim Reality - der Schwarzen mit dem weißen Balken über den Augen - schreitet zu "Voodoo People" wie ein indigener Gott, der Energie auf seine Gläubigen überträgt, durch die Halle.

Im Hintergrund arbeitet sich Liam Howlett, der Kopf von Prodigy, an seiner Elektronik an. Wer bei der Band nur Bilder aus den 90ern im Kopf hat: Die sehen noch genau so aus und spielen immer noch ihr Programm ab. Dass es seit über 25 Jahren dieselbe Wut, dieselbe Energie ist, stört nicht. Rob Holliday spielt zu dieser Wut eine Metal-Gitarre und eine klassische Rockshow immer kurz vorm Absturz am Bühnenrand, wo er in die wenigen weiblichen Fans, die er allesamt anflirtet, reinzufallen droht.

Störend ist allerdings der "Firestarter", der, nur am Refrain erkennbar, blechern und störend dröhnt. Das "Omen" bleibt hymnisch und die Bässe von "Smack my Bitch up" schmerzen im ganzen zuckenden Körper. The Prodigy haben ihre Setlist durchmischt, begehen nicht den Fehler, die größten Hits als Zugabe zu spielen. Nach knapp eineinhalb Stunden enttäuschen sie jedoch, als sie zu "Outta Space" vom Band die Bühne verlassen.

Die Fans singen erwartungsfroh weiter, doch die Musik verstummt und so manch einer erwacht rüde mit blauen Flecken aus der Moshpit-Trance. Jasmin Menrad

 

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