AZ-Konzertkritik So war Lenny Kravitz in der Olympiahalle

Rock satt in der Olympiahalle. 10.000 jubelten für Lenny Kravitz - zurecht. Foto: dpa

Am Samstagabend bot Lenny Kravitz den 10.000 Fans in der Olympiahalle ein Rock-Jazz-Funk-Chaos par excellence. Die AZ-Kritik zum Mega-Konzert.

 

Es gibt sie also noch, die echten Rock-Konzerte, auch in der Oberklasse. Konzerte, die mehr sind als das Abspulen einer bis aufs Komma eingeübten Show zwischen Videos und anderen Effekten. Und bei denen im Rahmen einer Jam-Session auch mal kräftig vom Leder gezogen werden darf. Bei denen sogar auch mal was schief gehen darf! Und die trotzdem - oder gerade deshalb - zu den absoluten Highlights jeder Saison gehören.

So wie der fantastische Abend mit Lenny Kravitz und Band, der in der Olympiahalle über 10.000 Fans glücklich gemacht hat. Schwarzer Edel-Fummel, die obligatorische Sonnenbrille, etwas affektierte Bewegungen. Lenny Kravitz gibt anfangs noch den versnobten Beau. Kaum ein Lächeln, dafür aber die eine oder andere verkorkste Ansage, sogar mal ein Stolperer auf der Bühne - die Fans registrieren es mit gegenseitigen vielsagenden Blicken und mit Getuschel.

Doch kaum geht die Musik so richtig ab, gibt es kein Halten mehr. Schon als dritter Song der Klassiker "American Woman" in einer überzeugenden Version, gleich hinterher der Hit "It Ain't Over Till It's Over" und der Titelsong vom neuen Album "Strut". Power pur.

Mit "New York City" werden die Strukturen immer lockerer. Ein Solo nach dem anderen aus der Bläsergruppe, und Kravitz fungiert streckenweise fast nur noch als Anheizer, der die Massen zum Mitsingen animiert. Manchmal gibt er seinen Einsatz an der falschen Stelle und wundert sich dann über die Fans, die sich wiederum ihrerseits wundern. Aber Schwamm drüber, ist ja nichts passiert.

Der Höhepunkt des Abends entwickelt sich dann aus "Mama Said" - eine gefühlte gute Viertelstunde Jam Session mit allen Musikern, so richtig aus dem Bauch raus - so etwas kann man nicht einstudieren, höchstens in Eckpfeilern vorbereiten. Viele Jazz- und Funk-Elemente runden nun das kreative Rock-Chaos ab, Kravitz wird zum Soul-Sänger, tobt zwischen seinen Mitspielern hin und her, hebt das ganze Team und auch die Fans in höhere Sphären.

Und weil's so beeindruckend war, das gleiche Spiel in der Zugabe bei "Fly Away" und "Are You Gonna Go My Way" nochmal. Da ist er, der Geist des Rock'n'Roll, fit und faszinierend wie eh und je.

 

1 Kommentar