AZ-Konzertkritik Placebo in der Olympiahalle: Rauschende Geburtstagsparty

, aktualisiert am 05.11.2016 - 11:56 Uhr
Geburtstagskind Brian Molko (Archivbild). Foto: dpa

Präzise und professionell: Brian Molko und Stefan Olsdal feiern (sich) mit dem Münchner Publikum.

 

München - Ein paar Dinge verändern sich ja nicht im Leben. Zu den offenbar ehernen Regeln gehört, dass das Geburtstagskind entscheidet, was gespielt wird (gilt fürs Topfschlagen beim 4. Wiegenfest genauso wie für die Playlist beim 40.).

Placebo sind jetzt 20 geworden, und sie feiern das mit ihren Fans. Offiziell sind 8500 davon in die Olympiahalle gekommen an diesem Abend, und die werden von den Jubilaren Brian Molko und Stefan Olsdal, den Gründungsmitgliedern der Band, ausgesprochen professionell bespaßt.

Mit 20 weiß man eben als guter Gastgeber schon, worauf es ankommt. Wie andere ihren Kühlschrank füllen und die Gläser bereitstellen, haben Placebo ein musikalisches Buffet vorbereitet. Und wie das so ist bei solchen Feten, bleibt der Kaviar erstmal im Schrank, bis der erste große Hunger gestillt ist bei allen.

Die Vorspeise, noch ehe die Gastgeber überhaupt auf die Bühne kommen, ist ein Video von "Every Me, Every you" auf den gigantischen Bühnen-Screens. Das wirkt etwas selbstreferenziell, aber beim Kindergeburtstag steht halt auch immer nur eine(r) im Mittelpunkt und die anderen sind Klatschvolk.

"Willkommen auf unserer Geburtstagsparty!"

Placebo lassen "Pure Morning" folgen, ehe Molko sehr richtig und auf deutsch eine sehr kurze Ansprache hält: "Willkommen auf unserer Geburtstagsparty!" Viel mehr braucht es nicht zur Unterhaltung der Gäste.

Der Vortrag ist professionell, präzise, popstarmäßig (und, nebenbei, sehr gut ausgesteuert). "Special Needs" vom Album "Sleeping With Ghosts"(2003), "Lazarus", dann in "Too Many Friends" an diesem Abend der erste ihrer kommerziellen Tophits: So halten Placebo eine bewusst eigenwillige Rückschau auf zwei Schaffensdekaden, in denen die Band ohnehin nie als Partybiest galt oder übertrieben volksnah. (Immerhin, den depperten Gazé-Vorhang vor der Bühne, mit dem sie sich beim letzten München-Besuch von den Fans isoliert hatten, haben sie offenbar eingemottet.)

Nach hinten raus werden Partys naturgemäß immer besser. "Without You I'm Nothing" als melancholisch-melodischer Himmelsgruß an David Bowie gerät - bei und trotz aller visueller Video-Inszenierung - zum Gänsehautmoment.

Schließlich ist der Moment gekommen, an dem die Gastgeber die Anlage aufdrehen und zur Hemmungslosigkeit aufrufen. "No Spaß without dancing", verordnet Molko, ehe Placebo ihr Hit-Feuerwerk zünden, auf dass niemand mehr in der Ecke hockt und partykillert.

Das haben sie gut im Griff. Die Halle bebt nach Belieben, "Slave To The Wage" und "Running Up That Hill" funktionieren immer noch, und das haben sie jetzt ja lang genug geübt. Placebo sind gute Gastgeber. Und ihr Programm ist besser als Würstlschnappen.

 

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